Russland macht zu

Russland hat ihn jetzt endlich, den Ausschalter für das Internet

Die olle Kamelle mit "der Letzte macht dann das Licht aus" ging in Russland auch schon mal leichter. Zumindest noch zu Zeiten der kommunistischen Herrschaft. Aber seitdem will der Witz nicht mehr so leicht von der Lippe. Und und unter Putin kriegt man irgendwie das Gefühl nicht so lost, dass in den Weiten Sibiriens und knapp vor dem Ural doch mehr abgeht als man schlechthin vermuten würde.

Zumal man neben diversen Andeutungen, dass der russische Staat nicht nur Wahlen beeinflussen kann, sondern auch ganze Stromnetze in den USA abzuschalten in der Lage wäre, auch schon noch andere Nachrichten mitbekommt, die eher ein wenig irritieren. So zum Beispiel der Plan, testweise das gesamte Land vom Internetanschluss abzuknipsen. Klar kann man da sagen: Das geht doch gar nicht. Kann man sagen, geht aber schon, denn abseits von diesem Test ist das Land eh schon bis 2020 so weit, 95 Prozent des Online-Traffics innerhalb des Landes zu routen. Da muss dann nichts mehr über irgendwelche Transatlantik-Kabel nach San Francisco gehen, damit Vladimir seiner Ilona eine Liebesmail schreiben kann. Vermutlich stehen inzwischen schon Quadratkilometer groß diverse Serverzentren in der Tundra und regeln das locker als innerstaatliche Angelegenheiten.

Es ist nämlich so, ja so muss es einfach sein, dass Putin einfach sicher sein will, dass die heimischen Gefriertruhen nicht mehr so leicht vom Ausland gehackt werden können, wie das umgekehrt der Fall wäre. Sobald ein Hühnchen im Regal frisch gehalten werden muss, steht ja für Datenbetrug Tür und Tor offen. Streng genommen sitzt in jedem einzelnen US-Hühnchenbein bereits eine russische Salmonelle als Sleeper für den Tag X. Und einen möglichen Vergeltungsschlag will man in Russland einfach verhindern, indem man die Hühnchen ... also, indem man die Regale vom internationalen Internet nimmt. Das ist super.

Gut, Skeptiker könnten jetzt damit anfangen, dass das nicht der wirkliche Grund sein kann. Schließlich braucht es in der sibirischen Tundra eigentlich keine Gefriertruhen, schon gar nicht welche, die man online ansteuern kann. Da kauft man sich einfach einen Hühnervoucher im Laden und geht dann raus auf den Parkplatz, wo die Viecher einfach herumliegen und mitgenommen werden können. Aber vielleicht ist es doch noch ein wenig anders. Vielleicht geht es gar nicht um Hühnchen, sondern um die schon seit Jahren zu beobachtende Strategie, das Land wieder autark – und leicht überwachbar – zu machen, indem man nichts mehr über die Grenzen lässt und nur sehr wenig auch ins Land kommen kann.

Gibt es nicht in den USA, wo Mauern nach Mexiko auch nach einem vierwöchigen Zwangsurlaub von Staatsangestellten einfach nicht gebaut werden? Jein, in Texas ist es jetzt gerade als illegal eingestuft worden, wenn Provider in Katastrophengebieten (und vermutlich nicht nur dort) gewisse Connects künstlich verlangsamen. Da wird es den Produktmanagern der Telekom gleich ganz warm im Gesicht, schließlich ist ganz Deutschland ein einziges Online-Katastrophengebiet. Kunden werden auch noch nach dem Aufbrauchen ihrer Datenvolumina künstlich so stark verlangsamt, dass man das in Russland nur mit drei Litern Wodka pro User hinbekommen würde. Und da würde es auch nichts helfen, 95 Prozent der Requests für eine Website erst einmal über Bamberg und Mindelheim zu routen.

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