Russland und China: Waffenbrüder?

Wladimir Putin bei seiner virtuellen Ansprache des Valdai International Discussion Club. Bild: Kreml/CC BY-SA-4.0

Wladimir Putin sinniert unverbindlich über ein Bündnis mit China

Viel Stoff für geopolitische Spekulationen hatte Russlands Präsident Wladimir Putin am Freitag den Journalisten zu bieten. Ein formelles militärisches Bündnis mit China sei denkbar, wenn auch eher in der ferneren Zukunft, gibt die in Hongkong erscheinende South China Morning Post Putins Äußerungen wieder.

Es gebe bereits eine enge Zusammenarbeit der Militärs beider Seiten und die Zeit werde zeigen, wohin die weiteren Wege führen. Weder gebe es das Ziel, ein solches Bündnis anzustreben, noch schließe seine Regierung es aus.

Sehr realistisch ist ein Beistandsvertrag der beiden Großmächte allerdings nicht. Nicht nur, weil es dafür sicherlich an tieferem Vertrauen zwischen den beiden Nationen fehlt. Russlands dünn besiedelter Ferner Osten grenzt an sehr bevölkerungsreiche chinesische Provinzen an, was russischen Nationalisten schlaflose Nächte beschert.

In China hat man es hingegen noch nicht vergessen, dass heutiges russisches Territorium am Grenzfluss Amur bis zum Ende des zweiten sogenannten Opiumkrieges 1860 von China kontrolliert wurde. Auch Wladiwostok, die "Beherrscherin des Ostens", wurde auf vormals chinesischem Grund errichtet.

Darüberhinaus unterhält Russland traditionell gute Beziehungen zu Indien, das wiederum im Dauer-Clinch mit China über den Grenzverlauf im Himalaya liegt. Indien hat die maximalistischen Ansprüche aus der britischen Kolonialzeit geerbt und nationalistisches Sentiment auf beiden Seiten hat in letzter Zeit zu akuten Spannungen an Teilstücken der umstrittenen Demarkation geführt. Russland ergreift in der Auseinandersetzung keine Partei, hat aber erst im Sommer 2020 der Regierung in Delhi umfangreiche Waffenlieferungen zugesagt.

China hat seinerseits sicherlich angesichts der wichtigen wirtschaftlichen Verflechtungen mit der EU wenig Interesse, sich in europäische Auseinandersetzungen hineinziehen zu lassen. Außerdem ist es seit Jahrzehnten Mitglied der Allianz der Blockfreien, worauf bisher ein großer Teil seiner Diplomatie in Asien, Afrika und Lateinamerika aufbaut.

In der Volksrepublik scheint man Putins Äußerungen daher eher als Geste in einer Zeit zunehmender Reibereien zwischen Beijing und Washington zu sehen. Die Reaktion des Außenamtssprechers Zhao Lijian fiel entsprechend ähnlich sybillinisch wie die Äußerungen Putins aus: "Es gibt für die traditionelle chinesisch-russische Freundschaft keine Grenzen und es gibt kein Feld, auf dem unsere Zusammenarbeit nicht ausgebaut werden könnte", wird er von der Zeitung zitiert.