Russland will mit Prämien Siedler nach Birobidschan locken

Der Oblast an der Grenze zu China wurde 1934 als autonomes jüdisches Gebiet ausgewiesen

Der russische Ministerpräsident Dmitri Medwedew hat ein Programm ins Leben gerufen, das Personen, die sich in Birobidschan ansiedeln wollen, Umzugshilfen und andere Vergünstigungen im Wert von jeweils etwa 6.000 Euro in Aussicht stellt. Auf diese Weise hofft man, 2200 neue Bewohner anzulocken.

Birobidschan wurde 1934 als autonomes jüdisches Gebiet ausgewiesen, weshalb israelische und andere Medien davon ausgehen, dass das Programm besonders Juden ansprechen soll. Alexander Levin, der Präsident des Weltformums Russischsprachiger Juden, hält das Angebot allerdings für wenig attraktiv für seine Sprach- und Glaubensgenossen, die seiner Einschätzung nach weiter Israel vorziehen, wenn sie den Städten, in denen sie wohnen, den Rücken kehren wollen.

In dem 36.000 Quadratkilometer großen Areal, das von der transsibirischen Eisenbahn durchquert wird, leben derzeit nur etwa 176.000 Einwohner. Tendenz: sinkend. Von den verbliebenen Einwohnern sind ungefähr ein Prozent Juden – Ende der 1930er Jahre waren es noch über 16 Prozent. Dafür haben andere religiöse Minderheiten wie die Baptisten, die Pfingstler und die Siebenten-Tags-Adventisten an Bedeutung gewonnen. Trotzdem findet ein Teil des Schulunterrichts im Oblast wieder in jiddischer Sprache statt und die Lokalzeitung erscheint zweisprachig.

Der Großteil der Bevölkerung konzentriert sich in der 1931 vom Schweizer Architekten Hannes Meyer aus dem Boden gestampften Oblasthauptstadt, die ebenfalls den Namen Birobidschan trägt. Der Rest verteilt sich auf die Kleinstadt Oblutschje und eine Reihe von Dörfern, die von der Land- und Forstwirtschaft sowie vom Gold- und Eisenerzabbau leben. Hoffnungen, dass der Goldpreis, die Nähe Chinas und der Klimawandel der Region einen wirtschaftlichen Aufschwung bescheren könnten, erfüllten sich bislang nur bedingt.

Grafik: Telepolis
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