Sag mir, wo ich hinfahre

Google und Apple führen "Das wäre Ihr Preis gewesen"-Features ein. Schon mal ein netter Ansatz

Kennen wir ja alle: Man lässt sich vielleicht nicht mehr ganz nüchtern von einem Taxi durch die Nacht in Richtung Heimat kutschieren, schließt kurz die Augen und wundert sich beim Wiederöffnen, warum diese Stadt insgesamt 14 identische Fußballstadien gebaut hat. Oder alternativ begreift man gerade, dass der doofe Taxifahrer einen verarscht und bereits seit 45 Minuten im Kreis fährt, weil er sich einen Extraklingelbeutel verspricht. Soll es geben. Vielleicht nicht so radikal, aber im Ansatz. Zumindest, wenn man schon einmal mit dem Taxi durch Zürich musste und sich wundert, dass eine kleine Schweizer Stadt so großräumig umfahren werden kann.

Für alle, denen diese kleine Gaunerei des Gewerbes (ja, schwarze Schafe soll es auch hier geben) ein wenig zu sehr auf die Nerven geht, hat Google jetzt zuerst einmal für den Testmarkt Indien eine nette Funtion freigeschaltet. Nicht dass Google hier etwas über Indien und seine Taxifahrer aussagen will, es geht hier um andere Gründe für die Auswahl des Marktes. Auf jeden Fall schlägt das nette kleine Feature auf dem Handy Alarm, sollte sich der Taxifahrer allzuweit von der zu erwartenden Route entfernen und wahllos durch die Nacht schippern. Das hat einen gewissen Nutzwert, wenn man dem Lausejungen von Chauffeur erklären kann, dass es eben links weg gegangen wäre, nicht auf die aus der Stadt führende Autobahn.

So ähnlich aber von einer ganz anderen Seite kommt Apple mit dem iOS 13 auf uns zu, das uns ja in Zukunft dann warnen soll, wenn uns ein digitaler Service mit unserem Handy ohne Einverständnis im Hintergrund geortet hat. Dann schlägt das Teil Alarm und zeigt uns auf einer Karte, wer wann und wie lange zu neugierig auf uns war.

Aber, hey, jetzt mal unter uns. Ein Apple Feature, das mir erst nach einer Weile zeigt, wer mir wann wie lange auf die Pelle gerückt ist, finde ich jetzt auch wieder ein bisschen so, also würde eine Expartnerin mit mir im Auto sitzen, die die enervierende Eigenschaft hatte, erst nach einer Weile zu sagen "Du hättest vorhin links abbiegen müssen" und mir das immer noch ganz genau auseinander setzen konnte ... anstatt mich gleich zu warnen.

Also, liebe Apple: Wenn ich erst viel zu spät erfahre, dass etwas nicht so dolle ist, dann ist das so sinnvoll wie es ein Warndienst von Google wäre, der mir nach dem Bezahlen des Taxifahrers sagt, dass mich der Kerl ziemlich stark reingelegt hat und ich jetzt übrigens auch nicht in Kalkutta, sondern an der Grenze zu Pakistan stehe.

Ecco.