Saudische Bomber vor Angriff in Sanaa von US-Luftwaffe betankt?

US-Militärexperten gehen von einer Beihilfe der US-Kräfte in der Region aus. Bei Bombardierung waren rund 140 Zivilisten getötet worden

Nach der Bombardierung einer Trauergemeinde in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa mit rund 140 Toten und über 500 zum Teil Schwerverletzten kommen nun weitere Informationen über die Rolle der USA bei diesem mutmaßlichen Kriegsverbrechen heraus. Nach einem Bericht des US-amerikanischen Nachrichtenportals AlterNet könnten nicht nur die lasergelenkten Bomben aus US-Produktion stammen (Trauergemeinde im Jemen offenbar von US-Bomben getroffen, ). Offenbar wurden die saudi-arabischen Bomber zudem von US-Militärs betankt. Sie sollen den Angriff auf ein Gemeindezentrum dadurch erst möglich gemacht haben.

Die These vertritt der Rüstungsexperte Pierre Sprey, der in den 1960er Jahren unter US-Verteidigungsminister Robert McNamara im Pentagon an der Entwicklung von Kampfflugzeugen beteiligt war. Sprey gilt, so heißt es bei AlterNet, als Chefentwickler der F-16, deren Vorgänger, F-15, von der saudischen Luftwaffe benutzt wird.

Royal Saudi Air Force F-15-Kampfflugzeug, das von einem amerikanischen KC-135 Stratotanker befüllt wird. Bild: DoD

"Wenn das saudische Kampfflugzeug (das den Angriff in Sanaa geflogen hat) auf dem größten saudischen Stützpunkt, der Prinz-Sultan-Luftwaffenbasis, stationiert war, dann ist es fast sicher, dass es von der US-Luftwaffe während des Einsatzes neu betankt wurde", sagte Sprey gegenüber AlterNet. Es gebe zwar einen weiteren Luftwaffenstützpunkt, die König-Khaled-Basis, nahe der Grenze zum Jemen. Es sei aber unwahrscheinlich, dass die saudische Luftwaffe diese Einrichtung nutzt, weil die aufständischen Huthi-Rebellen sie bereits mit Scud-Raketen angegriffen haben. Sergeant Major a.D. Michael Adams, ein ehemaliger Angehöriger der Special Forces, bestätigte diese Einschätzung.

Doch auch wenn die saudischen F-15-Kampfflugzeuge von einer Jemen-nahen Basis gestartet wären, hätten sie nur rund eine Viertelstunde Operationszeit über dem Rebellengebiet gehabt. Über dem Luftraum der von den Rebellen kontrollierten Städte im Südwesten des Landes hätten sich die Flugzeuge sogar nur fünf Minuten Zeit aufhalten können. "Es ist kaum die ausreichende Zeit für die Manöver eines Bombenangriffs", schreibt AlterNet.

Auf Anfrage bestätigte der US-Luftwaffensprecher Shane Huff, dass US-Tankflugzeuge Maschinen der saudisch geführten Militärallianz aufgetankt haben. Dies sei auch am Wochenende des Angriffs auf Sanaa geschehen, nicht aber am Tag selbst. Auf die Frage, weshalb die US-Kräfte in der Region Bomber der saudisch geführten Koalition am Wochenende betankten, aber ausgerechnet nicht am Tag des Angriffs, sagte Huff: "Ich kann diese Frage nicht beantworten."

In dem bombardierten Gemeindezentrum in Sanaa waren Berichten lokaler Medien zufolge tausende Menschen zur Trauerfeier für Scheich Ali al-Rawishan zusammengekommen, dem Vater des von den Rebellen benannten Innenministers. Ein Flugzeug habe das Gebäude mit der Trauergemeinschaft vier Mal in Folge attackiert, zitiert das Online-Portal The Intercept Zeugen vor Ort. Ein örtlicher Helfer habe nach der Bombardierung von einem "See aus Blut" berichtet.

The Intercept dokumentiert Aufnahmen, die vom Ort des Angriffs stammen und Teile von ferngelenkten MK-82-Bomben aus US-amerikanischer Produktion zeigen sollen. Auf einem der Fragmente aus den Trümmern ist zu lesen: "FOR USE ON MK-82 FIN, GUIDED BOMB".

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