Saug heil!

Dracula, Hitler und Captain Berlin: Man könnte es "Punk-Ästhetik" nennen; Jörg Buttgereit hat einen neuen Film gedreht

Eigentlich stimmt das nur zum Teil, denn was kürzlich in einer Kleinauflage von 1000 Exemplaren beim Label Neverhorst auf DVD erschienen ist, ist nur die Filmversion ( Trailer) seines Theaterstücks "Captain Berlin versus Hitler" - ein Stück, das auf zwei von Buttgereits frühen "Captain Berlin"-Kurzfilmen zurückgeht. Dem etwa 75 Minuten langen Film wohnt jedoch derselbe krude Humor inne, den auch die anderen Spielfilme des Regisseurs auszeichnen - und er verfolgt damit nach wie vor dasselbe Projekt, mit dem er seine Arbeit in den frühen 1980er Jahren begonnen hat.

Ausschnitt aus dem Film-Trailer

Man könnte es "Punk-Ästhetik" nennen: die respektlose Aneignung von Stoffen und Motiven der Literatur- und Filmgeschichte, ihre Übersteigerung ins Grotekse und gleichzeitige Banalisierung durch gnadenlose "Regionalisierung". Captain Berlin, ein ortsansässiger Superheld, der bereits in der NS-Zeit gegen Hitler gekämpft hat, arbeitet Anfang der 70er-Jahre als linker Journalist beim Berliner Tagesspiegel. Als die ehemalige Leibärztin Hitlers, Ilse von Blitzen, das Gehirn des Gröfaz wiederbelebt und nun nach einem Körper für es sucht, kehrt auch Captain Berlin aus der Versenkung zurück, um das zu verhindern. Zunächst wird seine Tochter vom in einer Brandenburger Gruft vor sich hin schimmelden Grafen Dracula geraubt, dessen Biss auch den aus Leichenteilen bestehenden Körper für Hitler reanimieren soll. Als letzteres nicht funktioniert, ersinnt von Blitzen einen Hitler-Roboter aus Kruppstahl, in den sie das Hirn verpflanzt. Am Ende stehen sich der Superheld, der Weltkriegsgefreite und der Vampir in einem Showdown gegenüber.

Ausschnitt aus dem Film-Trailer

Die absurden historischen Kapriolen, die Buttgereit mit viel Sprachwitz und grellbunter Comic-Ästhetik zu einem Film montiert, suchen wirklich ihresgleichen in der deutschen Filmgeschichte! Ein derartiges Ausmaß an Hommagen, Zitaten und Verballhornungen dürfte für die Theaterzuschauer des Berliner Hebbel am Ufer, wo das Stück aufgeführt wurde, nicht gerade leicht verdaulich gewesen sein. Mit zwei Kameras abgefilmt, dramatisierenden Schnittrhythmen unterzogen und mit Sprechblasen und allerlei Bildtricks versehen macht Buttgereit aus dem Stoff schließlich ein Produkt, das seine frühen Filme nahtlos mit seinen jüngsten Arbeiten (Radiohörspiele und Theaterstücke zum Genrefilm) verbindet.

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