"Schlageroma" an "Gothikopa"

Reaktion auf den Beitrag "Jule Neigel beklagt "Propaganda" der Piratenpartei"

Auf Wunsch des Büros von Frau Julia Neigel veröffentlichen wir deren Kommentar zum Beitrag Jule Neigel beklagt "Propaganda" der Piratenpartei ungekürzt und unverändert:

"Sie sagte nicht aus Termingründen ab, sondern weil sie kategorisch nicht mit Piraten sprechen will. Ebenso blockt sie jeden anfragenden Piraten sofort auf ihrem Facebook Profil."

"Geld, oder Leben - Kostenlos, oder Shitstorm – Klar zum Entern!"

Es ist doch immer wieder erstaunlich, wie eifrig Herr Kramm glaubt über das Leben und des individuellen Hauptgeschäftes Dritter Bescheid zu wissen? Nun glaubt er sich also schon als Experte meines eigenen Terminkalenders, nicht nur meines eigenen Urheberechtes und Geschäftes? Hat sich Herr Kramm etwa da reingehackt, da er so sicher wissen will, was ich wann und wo tue?

Richtig ist, dass ich von der Piratenpartei zu einem Treffen zum Thema Urheberrecht eingeladen wurde. Ich habe die Einladung abgelehnt, weil ich nicht ausschließlich mit einer Partei reden möchte, insbesondere nicht mit dieser, der ich am kritischsten gegenüber stehe. Andere musste ich aus Termingründen absagen. Ich bin gern bereit an überparteilichen und ausgewogenen Diskussionsrunden teilzunehmen und habe für die Zukunft auch noch einige zugesagt.

Amüsant ist auch, dass er zu wissen glaubt, dass ich alle, die sich auf meinen Facebook-Seiten als Piraten zu erkennen geben "kategorisch" abblocke. Auch das ist unwahr. Er sollte innerhalb seiner Partei vorher besser nachfragen. Es sind einige Piraten unter denen, mit denen ich in Kontakt stehe und ich diskutiere auch mit vielen Menschen. Was ich aber nicht tun werde ist mich für mein gutes Recht zu rechtfertigen und das scheinen insbesondere viele Piraten überhaupt nicht zu verstehen. Ich habe einige Kriterien beim Abblocken von Usern auf Facebook: Gehen sie unter die Gürtellinie, betreiben sie Werbung für Parteien, für Produkte und Dienstleistungen, beschimpfen sie, verleumden sie, beleidigen sie, behaupten Unwahrheiten und werden dann aggressiv und aufdringlich, wenn man dem nicht zustimmt ... Oder wenn Jemand, der nicht vom Songschreiben lebt mir erzählen will, wie mein eigenes Geschäft zu funktionieren hat ... und es gibt gar einige Stimmen die drohen mit dem Tod ... dann werden sie geblockt. Erst recht, wenn sie im organisierten Schwarm auftreten. Ich sage auch nicht dem Taxifahrer welches Auto er kaufen soll, ich muss dieses Taxi ja nicht nehmen. Ist das sachlich genug? Scheinbar verstehen einige diese Respektregeln nicht, denn die wollen gleich den Taxifahrer erwürgen und beschimpfen ihn, weil ihnen sein Auto nicht passt und er auch noch seine Fahrt bezahlt haben will.

An dieser Stelle scheint es auch etliche "Bundestrainer", "Nationalspieler" und "Weltmeister" zu geben, die meisten spielen aber nicht mal hobbymäßig Fußball. Es ist ja schön, dass Musik so beliebt ist - scheinbar so beliebt, dass man sie inzwischen als kostenloses Allgemeingut verstehen wollte - aber solche Methoden bekommen auf meinen Seiten keinen Raum. Und es ist mir egal wer diese dazu anstachelt. Dies wird vor dem Blocken auch angewarnt und deutlich kommuniziert. Man sollte doch im Mindesten respektieren, dass es sich hier immer noch um meinen Beruf handelt, den ich seit Jahrzehnten ausübe und den ich auch im Geschäftsbereich wahrlich verstehe. Ich schätze Manieren, Höflichkeit und Respekt im Umgang. Das sind für mich die normalen und sachlichen Gepflogenheiten einer Kommunikation. Wer sie nicht einhält, ist raus. Dabei ist mir deren Parteibuch erst einmal vollkommen gleich.

Dass Herr Kramm dies nun ausschließlich auf Piraten ummünzt, ist sein Problem, was für mich nur zu logisch ist. Es ist eine geschichtliche Piratenkrankheit das Eigentum anderer zu missachten – nur die Methoden und Argumente ändern sich über die Jahrhunderte. Viele erfolgreiche Künstler kritisieren die Piraten Partei und es werden immer mehr, die Zahl wächst und wächst – Nachvollziehbar. Und ich kann mir vorstellen, dass dies Herrn Kramm nicht gefällt. Denn vermutlich hätte er nur zu gerne die Masse der populären und etablierten Künstler auf seiner Seite. Aber: Wer als Partei z.B. vom Geschäft der "Content-Mafia" spricht und geistiges Eigentum als „ekelhaft“ bezeichnet, es für alle kostenlos zugänglich machen, es in der Vererbung zeitlich kürzen will und das dann als Endlösung zu deren Wahlprogramm deklariert, der vermittelt als Partei keinen Respekt gegenüber den meisten Content-Erfindern, die ihre Rechte und ihr Eigentum schätzen – also auch den meisten etablierten Künstlern - und muss mit Desinteresse, Kritik und Ablehnung in Massen rechnen. Dies wird ihm ja nicht entgangen sein? Stattdessen motivierte dieser Begriff „Content-Mafia“ viele Anhänger – bewusst oder unbewusst - gegenüber Künstlern und Autoren Shitstrom zu erzeugen. Dass diese das zu Recht als Hetze betrachten und auf die populistische Propaganda der Piraten zurückführen müssen, ist logisch. Alleine im Wort "Mafia" steckt deutliche Kriminalisierung - die Mafia ist immerhin eine der verbrecherischsten Organisationen der Welt.

Muss ich mich also global diskriminieren lassen, nur weil ich Verträge mit GEMA und Firmen habe die meine Rechte vertreten, obwohl ich sowieso, wie viele Andere auch, gar keine Geschäfte mit Wucherabmahnungen mache? Wer kriminalisiert hier also wen? Hallo? Geht´s noch? Nein, das muss ich keineswegs. Apropos Mafia: Schauen wir uns die Geschichte um die wahren Piraten in der Menschheit an, lesen wir faktisch nur von Mördern, Wegelagerern, Dieben, Plünderern, Enteignern, Vergewaltigern, Kaperern und Gesetzesbrechern. Die Karrieren der historischen Piraten sind nur ein einziges trauriges Refugium an Kriminalität, also wahrlich kein Heldentum. Es waren Barbaren mit mafiösen Strukturen, sie forderten Geld oder Leben. Heute erlebt man oft: Kostenlos oder Shitstrorm. Wer sich also alleine schon die deutsche "Piraten Partei" nennt und mit "Klar zum Entern!" zum politischen Überfall aufruft, stellt damit schon unweigerlich durch den Namen eine Nähe zu der sehr umstrittenen schwedischen "Piraten Partei" her und somit zu deren eigenem Host "The Pirate Bay". Damit also auch Medienberichten zur Folge zu einem rechtspopulistischen Finanzier dieser Seite und auch zu den Urteilen gegen deren Urheberrechtsverletzungen. Wenn diese Partei dann am deutschen Urheberrecht zum Nachteil der meisten Künstler herumschrauben will, der muss sich nicht wundern, wenn der Reflex naheliegt sein geistiges Eigentum vor Piraten zu schützen, die Schotten zu schließen und darin totalitäre Enteignungsabsichten zu erkennen. Da nutzt es auch nicht das "Klar zum Entern" schönzureden.

Ein Klaus Störtebeker war bekanntermaßen am Ende ziemlich kopflos. Ich kann mich manchmal des Eindrucks nicht erwehren, dass die Piraten genau da weitermachen. Es war witzig als Kind an Fastnacht als Piratin herumzulaufen, mit Hut, Ohrring, aufgemaltem Bart und Kajal unter den Augen, leicht hinkend und halb blind. Aber meine Sympathie für dieses Kostüm und dem Spiel mit dem Säbel ist mir gründlich vergangen und das geht vielen anderen Musikern auch so. Anscheinend ist es so, dass der gemeine Pirat, uns als einäugiger Klappenträger bekannt, dazu übergegangen ist die zweite Klappe für sich in Anspruch zu nehmen und damit logischerweise überall aneckt. Unsere Empfehlung wäre daher auch mal: Lieber mal Klappen halten, als Klappen tragen.

Man sollte immer die Realität von der Illusion zu unterscheiden wissen. Ich hoffe also nicht, dass es demnächst auch noch eine Partei Namens „Dagobert Duck“ geben wird, die – entsprechend imagegerecht – Geschäfte und Macht rechtlich durchsetzen will. Mit der Piratenpartei und dem Kulturwerteverfall hat das Land meiner Auffassung nach derzeit genug zu verkraften. Der einzig populäre, coole und unterhaltsame Pirat ist für mich daher im Moment Johnny Depp in "Fluch der Karibik" und dafür geh ich lieber ins Kino. Im richtigen Leben sind derzeit sehr viele Piraten für mich höchstens noch ein Fall für die Wasserschutzpolizei oder für Gerichte, siehe Schweden. Wenn also selbst einer der Speerspitzen der deutschen Piratenpartei, der Gothikopa Bruno Kramm, der behauptet, ich sei eine Schlager-Oma, wobei ich gerade mal ein Jahr älter bin als er und mich damit nur beleidigen will und als Politiker Dinge über mich behauptet, die unwahr sind, steht für mich fest, dass er zum einen unsachlich und um meine Rechte und die Wahrheit nicht bemüht ist. Und er steht an dieser Stelle einzig und allein für die Partei – sonst nichts. Genau diesen schlechten Stil haben wohl auch schon viele andere Kollegen bei Herrn Kramm schon festgestellt, der sich so gerne als "Experte" bezeichnen lässt.

Was meine neue Funktion als Stellvertretende Aufsichtsrätin bei der GEMA betrifft: Die GEMA als Institution tauscht sich in Dialogen mit der Piratenpartei aus. Meine Aufgabe in meiner Position bei der GEMA ist es alleine – wie das Wort schon sagt - den Vorstand zusammen mit meinem Kollegen zu beaufsichtigen und zu beraten, was der "Experte" Bruno Kramm eigentlich wissen müsste. Ich bin nur den Mitgliedern der GEMA gegenüber verpflichtet Rede und Antwort zu stehen und nicht gegenüber kategorischen GEMA-Gegnern und erst recht nicht gegenüber irgendeiner Parteiidee, die für mich als Urheber keinen Sinn ergibt. Ich bin auch nicht die GEMA-Pressesprecherin sondern selbst Urheberin und spreche für mich und für viele meiner Kollegen. Wenn ich mich also als Künstlerin in Interviews zu diesem Thema äußere, geschieht dies freiwillig und ist die Sicht der Songschreiberin, die nebenbei mehr Einblick in die GEMA und andere Themen hat, als viele Andere. Wenn Bruno Kramm ein persönliches Problem mit der GEMA hat, soll er sich doch bitte an einen Delegierten wenden, denn er ist kein ordentliches Mitglied. Ich rede viel mit außerordentlichen und angeschlossenen Mitgliedern und auch mit Delegierten, freiwillig, aber auf Herrn Kramm´s Stil habe ich wahrlich keine Lust. Mit wem ich Interviews oder Gespräche führen will und kann, obliegt alleine mir.

Übrigens: Ich habe die Äußerungen auf meiner Seite zu meiner Person bislang nur überflogen. Aber wer mich, wie durch Netzjournalist und Rechtsanwalt Markus Kompa, der wohl selbst als Pirat schreibt (das Netz ist übersät von lobenden Parteiberichten in seinem Namen, auch Berichte seiner Kandidatur), auf ihrer Seite geschehen, schon in der Einleitung als Schlagersängerin bezeichnet, hat leider schlecht und nachlässig recherchiert. Und scheint Herrn Kramm in seinem Artikel den Ball zuzuspielen. Aus "Schlagersängerin" bei Herrn Kompa wird bei Herrn Kramm dann die "Schlageroma", so scheint das also zu gehen? Warum nicht gleich das Ganze „Piratenparteiwerbeseite“ nennen, wenn es eh nicht darum geht neutral zu berichten?

Ungeachtet dessen: Eine reine Interpretin kann sich schwerlich fundiert zu ihrem Aufgabenfeld als Urheberin äußern. Bitte belesen Sie sich doch einfach vorher mal wenigstens kurz auf Wikipedia, die Seite ist kostenlos zugänglich und enthält sachliches und freies Wissen: Ich bin Sängerin/Songschreiberin und Produzentin, mein richtiger Name ist Julia Neigel, meine Musik ist im Rock, Blues und Pop angesiedelt und ich habe bisher mehrere Top-10-Alben veröffentlicht. Ginge wenigstens das korrekt, Herr Kampa? Ich habe dagegen von Herrn Kramm als Musiker selbst leider noch nie etwas von seinen geistigen Musikergüsse gehört, obwohl ich durchaus durch Kollegen Zugang zum Metall-Genre habe. Er selbst trat für mich in den Medien eher - wenn überhaupt – als Verwerter von Alben in Erscheinung und dies eher in der Verbindung zu seiner Parteifunktion - nicht zu populären Erfolgen. Das kann schlecht am Urheberrecht selbst liegen? Selbst wenn er sich also in Bereich Musik als omnipotent darstellt, ich sehe Herrn Kramm weder auf Bühnen, noch in Verbindung mit einem Song, Hit - sondern nur als Politiker von diesem Beruf redend. Insofern wüsste ich nicht, was ich mit Herrn Kramm direkt zu diskutieren hätte, nur weil er jetzt möglicherweise auf diesem Wege versucht als Musiker eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen? Ich kann mir aber gerade deshalb schon sehr wohl gut vorstellen, warum er sich insbesondere für kostenloses Filesharing ausspricht ...

Anders als bei den Piratenpartei-Anhängern sehe ich daher bei Herrn Kramm, in Sachen Beliebtheit bei erfolgreichen Künstlern, ziemlich schwarz. Sollte er aber aus dem Stand heraus "wissen", was bei mir am nächsten Montag im Kalender an Terminen steht, oder gar voraussagen wie mein nächster Hit klingt, wäre ich gerne bereit ihn als "Hellseher" zu engagieren. Dann bräuchte ich meinen eigenen Geist nicht mehr zu bemühen und würde ihm mein eigenständiges Denken einfach überlassen, wo er mich doch so gut zu kennen glaubt. ...

An dieser Stelle, mit auf keinen Fall musikalischen Grüßen an den werten Herrn Bruno Kramm.

Julia Neigel (Profession bekannt)

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