Schulmassaker mit weniger Medienaufmerksamkeit

In der Nähe von Damaskus kamen bei einem Terroranschlag 16 Menschen ums Leben - darunter auch sechs Kinder

Am Donnerstag verübten nach Angaben der syrischen Nachrichtenagentur SANA Terroristen in Katana, einem Vorort von Damaskus, einen Autobombenanschlag in der Nähe einer christlichen Schule, bei dem 16 Menschen ums Leben kamen und weitere 23 schwer verletzt wurden. Unter den Toten befinden sich auch sechs Kinder.

Der Anschlag ist kein Ausnahmefall: Bereits am 4. Dezember starben nach einer Mörserattacke von Regierungsgegnern auf die Batiha-Schule 10 Menschen. Die Schule liegt im al-Wafidin-Lager, in dem nach 1967 Flüchtlinge aus den überwiegend drusisch besiedelten und von Israel eroberten Golanhöhen angesiedelt wurden.

Allerdings gibt es in Syrien nicht nur Greueltaten an Kindern, sondern auch solche, die von ihnen verübt werden: Auf einem letzte Woche aufgetauchten Video, das anscheinend Rebellen filmten, sieht man einen zwölf- bis fünfzehnjährigen Jungen, wie er mit einem großen Schwert einen gefangen genommenen Offizier der Regierungsarmee köpft.

Die Art der Hinrichtung deutet stark darauf hin, dass es sich bei den Tätern um Salafisten handelt: Sie sehen das Abschlagen der Häupter ihrer Feinde als religiöses Gebot. Dabei berufen sie sich unter anderem auf die späte medinische Sure 47:4, in der es (der im Kohlhammer-Verlag veröffentlichten Übersetzung von Rudi Paret nach) heißt: "Wenn ihr (auf einem Feldzug) mit den Ungläubigen zusammentrefft, dann haut (ihnen mit dem Schwert) auf den Nacken!" Weil Salafisten nicht nur Christen, sondern auch Drusen, Alawiten, Schiiten und sogar aufgeklärte Sunniten als "Ungläubige" einstufen, ist dieses Gebot für sie im syrischen Bürgerkrieg vielfach einsetzbar.

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