Schulstreiks: Unterstützung aus der Wissenschaft

"Fridays for Future" Demonstration in Frankfurt am Main. Bild: Leonhard Lenz / CC0 1.0

Über 16.000 Wissenschaftler aus den deutschsprachigen Ländern haben bereits einen Aufruf zur Unterstützung der für Klimaschutz streikenden Schüler unterschrieben

Die streikenden Schüler bekommen auch in Deutschland Unterstützung aus der Wissenschaft, und zwar massive Unterstützung. Am gestrigen Dienstag wurde in Berlin ein von inzwischen über 16.000 Wissenschaftlern aus Österreich der Schweiz und Deutschland unterzeichneter Aufruf vorgestellt, in dem es unter anderem heißt:

"Zurzeit demonstrieren regelmäßig viele junge Menschen für Klimaschutz und den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erklären wir auf Grundlage gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse: Diese Anliegen sind berechtigt und gut begründet. Die derzeitigen Maßnahmen zum Klima-, Arten-, Wald-, Meeres- und Bodenschutz reichen bei weitem nicht aus."
Scientists For Future

Um, wie in der Pariser Klimaübereinkunft von einer überwältigenden Mehrheit der Staaten verabredetet, die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad Celsius des vorindustriellen Niveaus zu halten und nach Möglichkeit auf 1,5 Grad Celsius über diesem zu begrenzen, müsse mehr geschehen.

Es komme darauf an, die Treibhausgasemissionen "schnell abzusenken und weltweit spätestens zwischen 2040 und 2050 auf null zu reduzieren". Je schneller abgesenkt werde, desto größer die Wahrscheinlichkeit, die Erwärmung tatsächlich auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Um das zu erreichen, müsse die Verbrennung von Kohle bereits 2030 nahezu vollständig beendet sein und auch der Verbrauch von Erdöl und Erdgas reduziert werden. Alle fossilen Energieträger müssten durch erneuerbare ersetzt werden. Und: "Unter Berücksichtigung von globaler Klimagerechtigkeit müsste in Europa dieser Wandel sogar noch deutlich schneller ablaufen."

Sowohl in Deutschland als auch in Österreich und der Schweiz werde nicht die notwenige Geschwindigkeit beim Umbau der "Bereiche Energie, Ernährung, Landwirtschaft, Ressourcennutzung und Mobilität" erreicht. Den jungen Menschen, denen es darum gehe, "die natürlichen Lebensgrundlagen (zu) bewahren und eine lebenswerte Zukunft für derzeit lebende und kommende Generationen (zu) gewinnen", gebühre "Achtung und unsere volle Unterstützung".

"Die enorme Mobilisierung der neuen Bewegungen ("Fridays for Future" in Deutschland und Österreich, "Klimastreik" in der Schweiz) zeigt, dass die jungen Menschen die Situation verstanden haben. Ihre Forderung nach schnellem und konsequentem Handeln können wir als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nur nachdrücklich unterstreichen."
Scientists For Future

Zu den rund 700 Erstunterzeichnern des Aufrufs gehören unter anderem die Spitzen der hiesigen Klimaforschung, wie etwa die beiden Direktoren des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie, Jochem Marotzke und Martin Claußen oder Hans Joachim Schellnhuber und Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, dessen langjähriger Direktor Schellnhuber war.

Auch Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, und ihre Stellvertreterin Karen Helen Wiltshire, die die Biologische Anstalt auf Helgoland leitet, sind mit von der Partie. Daneben zum Beispiel auch Meinrat Andreae, Direktor des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie, und Mojib Latif, der in Kiel die Maritime Meteorologie am Geomar - Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung leitet.

Ähnliche Wissenschaftler Initiativen gibt es auch in anderen Ländern wie etwa Australien, Großbritannien und Belgien. Derweil ziehen die Vorbereitungen für den globalen Schulstreik am kommenden Freitag immer weitere Kreise. In 98 Ländern werden Aktionen vorbereitet.

Allein in Deutschland wird es in 190 Städten Streiks und Demonstrationen geben. Selbst auf so unterschiedlichen wie entlegenen Inseln wie Spitzbergen und Mauritius wird es Demonstrationen von Schülern geben. Die Schwerpunkte liegen in Australien, Westeuropa und den beiden Amerikas, aber auch in verschiedenen afrikanischen Staaten, Russland und selbst in China wird es Schüleraktionen geben.

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