Schulstreiks: Wer sind die Schüler?

FridaysForFuture Kundgebung, Berlin, 22. März 2019. Foto: Leonhard Lenz / CC0

Befragung von Sozialwissenschaftlern gibt Aufschluss über Motive und Selbsteinschätzung der neuen Protestbewegung

Wer sind eigentlich die Schüler, die Woche für Woche auf die Straße gehen, um für den schnellen Kohleausstieg, gegen das Fliegen und gegen Massentierhaltung, für eine rasche Verkehrswende, für schnellen und effektiven Klimaschutz also zu demonstrieren? Angesichts der fast globalen Ausmaße der Bewegung ist das natürlich eine schwierige Frage - in mindestens 144 Ländern und Territorien haben bereits Aktionen stattgefunden.

Für Deutschland gibt es jedoch schon ein paar empirische Antworten. Das Institut für Protest- und Bewegungsforschung hat erste Ergebnisse einer Befragung hiesiger Teilnehmer der Proteste veröffentlicht. Auf den Demos in Berlin und Bremen wurden Handzettel verteilt, mit denen die Empfänger zu einer Internetbefragung eingeladen wurden. Die Rücklaufquote betrug 15,4 Prozent, 339 Personen beteiligten sich.

In etwa die gleiche Anzahl der Personen wurde vor Ort interviewt. Das Mindestteilnahmealter war jeweils 14 Jahre. Ähnliche Erhebungen wurden auch in Schweden, dem Vereinigten Königreich, den Niederlanden, Belgien, Polen, der Schweiz, Österreich und Italien von Wissenschaftlern durchgeführt, doch liegen von dort noch keine Ergebnisse vor.

Heraus kam in Deutschland Folgendes: Die Befragten strebten größtenteils das Abitur an oder hatten dieses bereits, waren zu 97 Prozent in Deutschland geboren und hatten zu 17 Prozent einen Migrationshintergrund. In der Bevölkerung sind es knapp 24 Prozent. Die große Mehrzahl der Probanden verortet sich in der oberen (44 Prozent) und unteren (27 Prozent) Mittelschicht, knapp fünf Prozent in der Arbeiterschicht und 23 Prozent wollten sich nicht einsortieren.

Knapp 25 Prozent der Befragten schätzten sich selbst als "ganz links" und weitere 53 Prozent als "links" ein. In der Mitte sahen sich nicht ganz 21 Prozent. Entsprechend sieht das Vertrauen in Parteien aus. 40 Prozent gaben an, keine Parteipräferenz zu haben, 36 Prozent bevorzugen die Grünen, 12 Prozent die Linkspartei. (Alle Zahlen gerundet.) Dass die Regierung etwas zum Klimaschutz beiträgt, glaubte kaum einer der Befragten, das Vertrauen in die Wirtschaft sieht noch schlechter aus.

Mobilisiert wurden die Teilnehmer vor allem durch die soziale Medien, durch den jeweiligen Freundeskreis. Für rund ein Drittel der Jugendlichen war es die erste Demo. Für viele von ihnen spielt die Veränderung der eigenen Konsummuster eine wichtige Rolle.

Die Autoren weisen darauf hin, dass Befragungen auf Demonstrationen nicht immer repräsentativ sind. Die hohe Übereinstimmung zwischen Interviews und Online-Befragungen spricht aus ihrer Sicht allerdings für Repräsentativität. Mit knapp 58 Prozent überwogen Frauen und Mädchen, das könnte allerdings dem eigenen Augenschein nach damit zu tun haben, dass diese auch die Demos dominieren. Interessanterweise sind sowohl in Deutschland als auch in vielen anderen Ländern die Sprecher und Organisatoren meist weiblich.

Streng genommen gelten die obigen Ergebnisse nicht nur für Schüler, sondern für alle Teilnehmer an den Protesten. Die Befragung wurde am 15. März, dem globalen Aktionstag, durchgeführt, an dem auch vergleichsweise viele Ältere sich den Schülern angeschlossen haben. 53 Prozent der Befragten waren zwischen 14 und 19 Jahre alt, 18 Prozent zwischen 20 und 22 und weitere elf Prozent zwischen 26 und 35.

Inzwischen gibt es hierzulande übrigens neben ParentsForFuture, Scientists4Future und Teachers4Future auch LawyersForFuture, die die streikenden Schüler unterstützen wollen. ParentsForFuture hat vor einigen Tagen eine Bundestagspetition gestartet, die ein allgemeines Tempolimit von 130 km/h auf den Autobahnen fordert und bereits knapp 37.000 Zeichner hat.

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