Schuss, Upload, Fans

Falls sich noch jemand erinnert: Football-Spieler beugen ihr Knie wegen anhaltender Polizeitgewalt in den USA

Es ist ja nun einmal so, dass mehr Menschen mit dunkler Hautfarbe in den USA durch die dortige Polizei umkommt, als das bei hellhäutigen Menschen der Fall ist. Nicht dass es überhaupt gut sein kann, dass jemand durch irgendwelche Polizei umkommt. Aber das Missverhältnis stinkt nun einmal immer noch zum Himmel. Und um darauf hinzuweisen, beugen American Football Player bei der Nationalhymne nun schon seit Wochen das Knie ... und werden deshalb vom weiß- und dünnhäutigen US Präsidenten gescholten.

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"Alles kein Problem", tönt es jetzt aus der Technikerecke. Da habe man eine Idee. Auch wenn so ein Schuss immer mal vorkommen könne und man ja das Gute nicht an sich in die Welt bringen kann: ein neues Gadget an der Pistole eines Polizeioffiziers, das sofort zu filmen anfängt, sobald die Waffe aus dem Holster gezogen wird, und zwar mit der Linse gleich neben dem Lauf. Das ist doch mal was, kann selbst noch so ausgefuchste Egoshootersoftware nicht mithalten.

"Ist es eben nicht", sagen die Gegner, weil man eben auch nicht so klar sagen kann, warum es dann zur Szene 1 (Klappe, Ton, Action!) kam. Denn was vorher war, sieht man ja nicht, da steckte die Waffe noch ohne Filmaufnahme im Dunklen.

Vielleicht ist das gar nicht so sehr das Problem wie eine andere Geschäftsidee, die doch dann sicher gleich einen schwarzgrauen Markt aufmachen könnte: unter der Hand gehandelte Videos von der Straße, in denen dieser letzte gerechte und weiße Polizeioffizier einen schwarzen Mitbürger über den Haufen knallt. Und zwar während man in der ersten Reihe sitzt und die Kugel sozusagen vorbeiflitzen und vorne am Ziel einschlagen sieht.

Vielleicht kommt das Filmmodul an der Knarre auch mit online streaming auf den Markt (und mit einem 3d View Feature), dann kann ein Rückkanal gleich die eigenen Fans zu einem "weiter Links, weiter LINKS" aufstacheln. Das perfekte Produkt und um Grade heißer als das Reality-TV, das uns bisher in Container- und Dschungelcamps geboten wurde.

Ob der Mitbürger unschuldig oder schuldig war? Egal, the show must go on, vor allem nachts zur Prime Time.

So, gut, das war vielleicht jetzt ein wenig übertrieben, zynisch und gar nicht nett. Aber es macht schon eine grundsätzliche Sache klar: Technik löst soziale Probleme nicht. Vielleicht geht es doch um Grundsätzlicheres als einen Livemitschnitt.

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