Schwarmerdbeben nach Fracking

Bohrfelder werden durch das Einpressen anfällig für Erdbebenwellen von außen

Fördertechniken, die mit Fracking arbeiten, sind bei uns vor allem wegen der mit dem Spülwasser eingepressten Chemikalien in der Kritik. In den USA, wo das Fracking sehr intensiv betrieben wird, steigt nun auch messbar die Erdbebenhäufigkeit. Und damit steigen auch die Befürchtungen, dass diese als Folge der Bohrungen ausgelösten Beben zu ausgedehnten Schäden führen. Einziger "Schutz" vor Erdbebenschäden ist in den USA die relativ dünne Besiedlung.

Bei uns läutete 2006 ein durch die Geothermiebohrungen bei Basel ausgelöstes Erdbeben der Stärke 3,4 wenn nicht das Ende, so doch zumindest einen Rückschlag für die Einführung der Tiefengeothermie in Deutschland ein. Sollte Fracking im dichtbesiedelten Deutschland flächendeckend eingesetzt werden steht jedenfalls zu erwarten, dass es zu Zerstörungen an der Erdoberfläche kommen wird.

Dies legen drei im Fachblatt Science veröffentlichte Untersuchungen zur Situation in den USA nahe. Sie zeigen, dass dort, in der Folge von Öl- und Gasbohrungen, Erdbeben mit einer Stärke bis 5,0 ausgelöst wurden. Dazu wurden die Aufzeichnungen der letzten Jahrzehnte über Erdbeben mit einer Stärke von größer 3,0 ausgewertet.

Seit 1967 lag deren Häufigkeit bei durchschnittlich 21 Beben pro Jahr, stieg dann seit 2001 stark an und erreichte mit 188 Beben im Jahr 2011 ihr bisheriges Maximum. Da eine zeitliche Verbindung mit der Ausweitung von Öl- und Gasbohrungen unter Einpressen von Spülwasser besteht, sehen die Forscher einen Zusammenhang mit dem Fracking. Eine der Forschergruppen geht aufgrund der beobachteten zeitlichen Häufung jedoch davon aus, dass das Fracking oft nicht direkt die Beben auslöst.

Das Einpressen von Flüssigkeiten in den Boden erhöhe in den meisten Fällen zunächst nur den Druck in den Gesteinsporen, bereits bestehende Störungen würden dadurch instabiler. Als eigentlicher Auslöser kämen dann auch weit entfernte Beben in Betracht, die in den Fracking-Bohrfeldern eine Art "Schwarmerdbeben" auslösen. Auf Deutschland übertragen hieße das, dass die Gefahr für Frackingbeben vor allem in den bereits bekannten Erdbebengebieten, also im Rheintal, im Voralpengebiet und in Thüringen am größten ist.

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