Schweizer wollen Banken verbieten, Geld aus dem Nichts zu schaffen

Über eine Vollgeld-Volksinitiative sollen die Eidgenossen abstimmen, um Fiatgeld durch Geschäftsbanken abzuschaffen und Blasenbildung zu verhindern

Entsprechend dem Bibelspruch "Fiat lux" (Es werde Licht), gibt es auch das sogenannte "Fiatgeld", weil es auch für die Geschäftsbanken möglich ist, praktisch aus dem Nichts fast unbegrenzt Geld zu schaffen. Wie dieser Vorgang abläuft, ist hier beschrieben.

Und genau das will die Schweizer "Vollgeld-Initiative" nun beenden. Anders als andere Vertreter von Vollgeld, will diese Initiative aber genau nicht den Staat aus der Geldproduktionheraushalten, sondern umgekehrt die Geldproduktion wieder unter staatliche Kontrolle bringen.

Am vergangenen Dienstag wurde in der Hauptstadt Bern den Medien die Initiative vorgestellt und am morgigen Samstag wird sie offiziell und feierlich in der Bankenmetropole Zürich gestartet. Ihr zentrales Anliegen ist, die Geldschöpfung der Geschäftsbanken über die Kreditgewährung zu verbieten. Das Monopol der Notenbank soll deshalb auf auch auf das sogenannte Buchgeld ausgeweitet werden und damit wären die Banken verpflichtet, jeden Kredit zu 100% abzusichern, womit Finanzblasen verhindert würden.

Ganz werden die damit aber nicht verhindert, schließlich kann auch eine staatlich kontrollierte Notenbank die Geldmärkte fluten und die Blasenbildung anheizen, wie es die Europäische Zentralbank (EZB) gerade gestern deutlich gezeigt hat.

"Eine der Hauptursachen der Finanzkrise ist den meisten Menschen gar nicht bewusst - die eigenmächtige Herstellung von elektronischem Geld auf unseren Konten durch die Banken", schreibt die Initiative auf ihrer Webseite. Sie will das erreichen, was die Schweizer Verfassung eigentlich längst vorsehe:

"Vor über hundert Jahren verbot das Stimmvolk den Banken, Papiergeld zu drucken, weil die Gelderzeugung der Obhut des Bundes entglitten war und die Geldmenge aus dem Ruder lief. Aus denselben Gründen muss heute der praktisch unbegrenzten Herstellung von elektronischem Geld durch die Banken ein Ende gesetzt werden."

Als große Vorteile habe das Vollgeld, dass Inflation, Bankenkrisen und immer neue Blasen an den Finanzmärkten verhindert würden. Der Verein "Monetäre Modernisierung" (Momo), der hinter der Initiative steht, meint auch, dass die Geldschöpfung dann wieder den Schweizern zu Gute käme.

Sie berechnen Zusatzeinnahmen für den Staat von mindestens 300 Milliarden Franken in der Übergangsphase und später wären es jährlich einige Milliarden. Zudem würde der Schweizer Franken zum sichersten Geld der Welt.

Momo steht ein pensionierter Lehrer für Philosophie, Volkswirtschaft, Wirtschaftsethik und Staatsrecht vor. Für Hansruedi Weber ist es untragbar, dass sich der Staat die Kontrolle über das Geld aus der Hand nehmen ließ. Er will nutzen, dass die "Schweiz vielleicht das einzige Land auf der Welt sei, in dem das Volk die Möglichkeit habe, das zu ändern", erklärt er. Unbekannt ist nicht nur Weber, sondern auch der Elektriker Daniel Meier, der Geschäftsführer des Vereins ist.

Im Vorstand sitzt aber auch der Professor für Wirtschaftswissenschaften Mark Joób und als Berater war auch der bekannte emeritierte Volkswirtschaftsprofessor Hans Christoph Binswanger, der als "Schweizer des Jahres" auserkoren wurde. Im wissenschaftlichen Beirat finden sich auch der emeritierte Staatsrechtsprofessor Philippe Mastronardi und der emeritierte Professor für Wissenschaftsethik Peter Ulrich. Zahlreiche Schweizer Prominente unterstützen die Initiative.

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