Schwere Dürre verschärft Waldbrandgefahr weiter

Eukalyptuswald. Bild: Bernd Schröder

Die Klimaveränderungen sorgen auf der Iberischen Halbinsel für extreme Temperaturen und 70% Portugals leiden unter einer "schweren Dürre"

Das kleine Portugal hat im Sommer schon für dramatische Schlagzeilen gesorgt, als bei Bränden um Pedrogao Grande sogar 64 Menschen ums Leben kamen. Weniger Aufmerksamkeit erhalten die vielen kleineren Brände, die weiter im Land und auch beim den Nachbar in Spanien lodern. Doch gerade das kleine Land am westlichen Rand Europas ist bei Waldbränden abgeschlagener europäischer Spitzenreiter. Bis Ende Juli sind schon fast 120.000 Hektar Wald abgebrannt. Knapp die Hälfte von etwa 53.000 Hektar loderten davon allein im Katastrophengebiet um Pedrograo Grande.

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Dieser Großbrand hat das Land auf den neuen Rekordkurs gebracht und deshalb liegt dieser Brandsommer bisher weit über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahren. Ein Drittel der gesamten Fläche, die bis Juli in der Europäischen Union abgebrannt ist, findet sich nach Angaben des European Forest Fire Information System (EFFIS) in Portugal. Das Land ist kleiner als Ungarn und etwas größer als Österreich, womit der Umfang der Tragödie deutlich wird, die das Land Jahr für Jahr heimsucht.

Nach Angaben des Zivilschutzes liegt auch die Zahl der Brände mit mehr als 8500 bisher über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre, erklärte deren Chef Rui Esteves. Und Portugal dürfte den bisherigen Brandrekord aus dem Vorjahr noch übertreffen, als 160.000 Hektar abgeflackert sind. Die EFFIS-Vorhersagen zu Temperatur- und Niederschlagsanomalien lassen in den nächsten Monaten alles andere als eine Entwarnung auf der Iberischen Halbinsel erwarten.

Wie stark die Zunahme in diesem Jahr ist, zeigt sich am ohnehin hohen Durchschnitt in den letzten zehn Jahren. Zwischen 2006 bis 2016 sind bis zum 31. Juli 21.000 Hektar abgebrannt oder abgefackelt worden, denn nicht selten ist Brandstiftung die Ursache. Schon 71 mutmaßliche Brandstifter sind in diesem Jahr festgenommen worden. Allerdings war üblicherweise der August der heißeste Brandmonat.

Vor allem ist Esteves darüber besorgt, dass die abgebrannten Flächen Jahr für Jahr größer werden. Auf Platz zwei der traurigen Rangliste kam bisher das Jahr 2013 mit knapp 153.000 Hektar, dahinter lag das Jahr 2010 mit 133.000. Für den Zivilschutz verhielten sich die Brände nun "völlig anders", wofür der vor allem den "angehäuften Brennstoff in den Wäldern" verantwortlich macht. Das Unterholz, lange nicht beseitigt, sorgt dafür, dass sich Brände schnell und weit ausbreiten und heftiger sind. Während die Zahl der Brände bisher nur etwa 5% über dem Durchschnitt liegt, ist die abgebrannte Fläche etwa sechsmal so groß. "Wir wissen wo ein Brand beginnt, aber nicht, wo er beendet wird", sagte Esteves.

Er hat ein zentrales Problem einer absehbaren Tragödie benannt. Denn vor allem in den Jahren der Austeritätspolitik unter der konservativen Regierung wurde auch an präventivem Brandschutz gespart. Dazu kam, dass die Rechte mit Blick auf die wirtschaftlich bedeutsame Papierindustrie in den Krisenjahren auch den Anbau des Brandbeschleunigers Eukalyptus freigegeben hatte. Die Monokulturen breiteten sich noch stärker aus. Damit wurde ein explosiveres Gemisch geschaffen, mit dem sich die Linksregierung nun herumschlagen muss. Hinzu kommt noch eine schwere Dürre, die zudem als Brandbeschleuniger wirkt, die allerdings auch von Klimaforschern vorhergesagt wurde.

Das Ergebnis ist, dass am Mittwoch in keinem Gebiet im Norden an der Atlantikküste das Brandrisiko noch als "gering" eingeschätzt wird, in weiten Teilen dafür als "maximal" oder "sehr hoch". Kurz zuvor hatte das Meteorologische Institut (IPMA) mitgeteilt, dass im Juli schon fast 70% des Landes von einer "schweren Dürre" und gut 9% von einer "extremen Dürre" betroffen sind. Einem "sehr trockenen" Frühjahr, die Temperaturen lagen mehr als zwei Grad über dem Durchschnitt, folgte ein "extrem trockener Juni". Die Klimaveränderungen sorgen auf der Iberischen Halbinsel, wo nach Vorhersage der Klimaforscher die Veränderungen besonders heftig sein werden, für immer extremere Temperaturen. Nun wurden in Portugal schon mehr als 46 Grad erreicht.

Es wird schwer, die aufgestauten Probleme schnell zu beseitigen. Die Linksregierung hat nun zunächst die Freigabe des Anbaus des Problembaums Eukalyptus wieder zurückgenommen, gegen die Stimmen der Konservativen. Und am Dienstag wurde nun vom (konservativen) Präsidenten das neue Gesetz unterzeichnet und trat somit in Kraft. Der schnell wachsende Eukalyptus, der heimische Arten längst verdrängt hat und wie Zunder brennt, darf nur noch mit Sondergenehmigungen angepflanzt und soll zurückgedrängt werden. Debattiert wird auch, ob Waldbesitzer enteignet werden sollen, die keinen präventiven Brandschutz betreiben. In Portugal befinden sich 98% des Waldes in privater Hand, womit es in Europa an der Spitze noch vor Österreich liegt.

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Umweltschutzorganisationen wie Quercus und Acréscimo rechnen zudem vor, dass sich präventiver Brandschutz und Waldwirtschaft lohnen, die sie als "unbedingte Notwendigkeit" bezeichnen. Nach ihren Berechnungen schlagen sie pro Jahr mit 165 Millionen Euro zu Buche. Dagegen summierten sich die Kosten, die durch Brände verursacht werden, jährlich auf mehr als eine Milliarde Euro, um von Verlust von Menschenleben nicht zu sprechen. Prävention rechne sich also auch für die Volkswirtschaft. Bei einer Regierung, die schon Abschied von der Austeritätspolitik genommen hat, um das Defizit in den Griff zu bekommen und dem Land ein nachhaltiges Wachstum zu bescheren, werden solche Rechnungen auf offenere Ohren treffen.

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