Seid nett zueinander oder Facebook bringt es Euch bei

Neben der Spur

Wenn die Zahlen von zwei Untersuchungen stimmen, dann ist das Web eine größere Dreckschleuder als alles andere. Vielleicht kann man ja etwas dagegen tun

Gut, die Zahlen dieser Studie beziehen sich auf die Befragung von Usern in den USA, aber angeblich wurden 40 Prozent aller Befragten im Netz schon einmal beleidigt und bedrängt. Das kann sicher nicht für uns hierzulande zutreffen. Hier wird gesiezt, vorsichtig jedes Posting mit der Benimmlehrerin abgesprochen und dann zaghaft publiziert, was auf keinen Fall religiöse, ethische oder gar folkloristische Gefühle verletzt. Nein, so etwas würde hier niemand machen. In den USA vielleicht, aber hier nicht. Und es ist sicher schrecklich, in den Vereinigten Staaten online zu gehen.

Dabei muss es sich nicht gerade um Morddrohungen wie im Falle des Gamergate handeln, wo eine Frau sich schon nicht mehr aus dem Haus trauen kann, die sich über Affären in der Gamercommunity ausließ. Und das eskaliert inzwischen zunehmend. Da kommen bei einigen Spielern scheinbar Züge zum Tragen, die sie sonst nur bei Egoshootern ausleben würden. Und wir hoffen einfach einmal, dass da die Joystickpferde durchgegangen sind. Leider scheint das aber nicht bei allen der Fall zu sein.

Da wir gerade beim Thema Sex sind. Ein Viertel aller befragten Frauen in der Studie gaben an, dass sie sich schon einmal online sexuell belästigt gefühlt haben. Und diese Studie sieht vor allem Social Networks als Ausgangspunkt für diese ungute Entwicklung.

Scheinbar machen Bildschirm und Tastatur vorwitzig, und sie senken die Hemmschwelle, sich vor allem Frauen gegenüber ausfällig zu benehmen und die digitale Sau heraus zu lassen. Vielleicht geht es nur mir so, aber die Zahlen sind verdammt hoch und erschrecken. Das sind keine Randphänomene.

Und es wäre niemandem zu verdenken, wenn vor allem sie sich extrem aus digitalen Öffentichkeiten zurückzieht. Scheinbar kann man das von denen nicht erwarten, die das Internet mit einer Toilette verwechseln und sich so sicher fühlen, dass sie alles von sich geben, was sie vielleicht doch besser bei sich behalten sollten.

Vielleicht ist es auch so, wie es der Psychologe John Suler sieht. Online können wir die Gesten und die Mimik eines Gegenübers nicht erkennen und neigen deshalb, überfokussiert auf seine schriftlichen Äußerungen, zu eher unangemessenen Äuserungen, schriftliche wohlgemerkt.

Jede Woche melden acht Millionen Nutzer bei Facebook unangebrachte Fotos oder Kommentare, die dann durch ein Tool des Networks mit emotional aufgeladenen Bemerkungen wie "macht traurig" anonym an die Urheber der Rants zurückgespiegelt werden. Noch einmal: acht Millionen.

Also, das nächste Mal, wenn ein merkwürdiger Satz in einem hochkocht, vielleicht doch mal die Tastatur sein lassen. Aber das wäre als Lösung wohl zu einfach. So wie ein automatisches Tool bei Facebook die Welt nicht ändert. Das muss schon auf der anderen Seite der Leitung geschehen...

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