Seit über einem Jahr verschwunden

Seit Februar 2009 fehlt von chinesischem Menschenrechtsanwalt jede Spur. Ehefrau appelliert an Regierung

Die in Hongkong erscheinende South China Morning Post berichtet, dass von dem chinesischen Menschenrechtler und Anwalt Gao Zhisheng, der am 4. Februar 2009 verschwand, noch immer jede Spur fehlt. Behauptungen er würde in der autonomen Provinz Xinjiang leben und hätte Kontakt zu seiner Familie, wie sie Vertreter der chinesischen Botschaft in Washington kürzlich gegenüber einer US-amerikanischen Menschenrechtsgruppe geäußert hatten, werden von seiner Frau, Geng He, bestritten.

In einer Stellungnahme, die Geng auf der Seite der in New York angesiedelten Gruppe Human Rights in China (HRIC) veröffentlicht hat, fordert sie die chinesische Regierung auf, den Worten Taten folgen zu lassen und einen Kontakt zhu ihr zu ermöglichen. Sie verweist darauf, dass nach den chinesischen Recht Gefangene während des derzeit begangenen Neujahrsfestes einen Anspruch haben, von ihren Angehörigen besucht werden zu dürfen.

Gao hat in der Vergangenheit wiederholt Bürger in Fällen von Behördenwillkür verteidigt, mitunter durchaus auch erfolgreich. 2005 soll er laut Wikipedia aus der Kommunistischen Partei ausgetreten sein. Unter seinen Klienten waren auch Anhänger in China verbotenen und brutal verfolgten Falun-Gong-Sekte. In den letzten Jahren hatte er sich in mehreren offenen Briefen an die Regierung in Beijing (Peking) und an den US-Kongress gegen die Unterdrückung von Falun Gong ausgesprochen. Insbesondere letzteres dürften ihm die Behörden ziemlich übel genommen haben. 2007 wurde er daher zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt, so HRIC, die jedoch für fünf Jahre ausgesetzt worden sei. Kurz vor seiner letzten Verhaftung war seine Frau mit den gemeinsamen Kindern ausgereist und lebt nun in den USA als politischer Flüchtling.

Bei Gaos Festnahme soll der Anwalt nach Angaben von HRIC schwer gefoltert worden sein. Das gehe aus einem Bericht hervor, den die Organisation kurz nach seiner Festnahme aus einer anonymen Quelle erhalten habe. Demnach sei er von maskierten festgenommen und geschlagen worden. Außerdem habe man ihm Elektroschocks an den Genitalien verpasst und seine Augenlider mit Zigaretten verbrannt. Schon nach früheren Festnahmen hatte Gao von Folterungen berichtet.

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