"Selbstmord" eines Kronzeugen

Der erneut wegen Kriegsverbrechen angeklagte kosovarische Politiker Fatmir Limaj kann seinem für Oktober angekündigten Prozess nun gelassen entgegensehen

Dass nach der NATO-Invasion des Kosovo das Organisierte Verbrechen die Macht übernahm, lässt sich unter anderem aus einer geleakten Verschlusssache des Bundesnachrichtendiensts ersehen. Praktisch alle politischen Akteure in diesem Gebiet sind eng mit entsprechenden Strukturen verwoben. Ministerpräsident Hashim Thaci soll den Erkenntnissen des Europarats nach sogar in den Handel mit Organen von Angehörigen der serbischen Minderheit verstrickt sein, die in manchen Fällen lebenden Opfern entnommen wurden.

Bei Prozessen in Den Haag kam bisher praktisch nichts gegen albanische Kriegsverbrecher heraus. Das lag auch daran, dass Zeugen sich plötzlich nicht mehr erinnern konnten oder verstarben. Im Fall des freigesprochenen Ex-Premiers Ramush Haradinaj kamen beispielsweise von zehn Belastungszeugen neun bei Gewaltakten oder Verkehrsunfällen ums Leben und einer zog nach einem Anschlag auf ihn seine Aussage zurück. Ein Effekt, den man auch aus der Geschichte des Organisierten Verbrechens in anderen Ländern kennt.

Nun wurde bekannt, dass der Kosovo-Albaner Agim Zogaj, der als Kronzeuge in einem Prozess gegen den ehemaligen kosovarischen Verkehrsminister Fatmir Limaj aussagen sollte, tot in einem Park in Deutschland aufgefunden wurde. Zogaj war als Teilnehmer eines Zeugenschutzprogramms in die Bundesrepublik eingereist, was ihm aber möglicherweise nichts half, da auch hier albanische Mafia-Gruppen seit den 1990er Jahren sehr aktiv sind.

Zeitungen im Kosovo schrieben von einem "Selbstmord", während ein Sprecher der EU-Rechtsstaatsmission Eulex erklärte, die deutschen Behörden hätten "die notwendigen Untersuchungen eingeleitet, um die Todesumstände festzustellen". Allerdings will man sich weder beim BKA noch beim BND oder beim Außenministerium zu dem Fall äußern.

Limaj, der der Partei des Ministerpräsidenten angehört, stand wegen zahlreicher Greuel im UCK-Terrorlager Klecka schon in den Nuller Jahren in Den Haag vor Gericht, ging aber straffrei aus. Nun soll im Oktober ein neuer Prozess gegen ihn beginnen, in dem ihm und neun weiteren ehemaligen UCK-Kämpfern neben Mord, Folter und Vergewaltigungen vorgeworfen werden. Zogaj diente während der Taten unter Limajs Kommando.