Selbstspülendes Geschirr durch Lotuseffekt

Erfindung soll Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz sein

Die Designfirma Tomorrow Machine hat in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Forschungsunternehmen Innventia und dem KTH Royal Institute den Prototypen eines Essgeschirrs aus heiß gepresster und beschichteter Zellulose entwickelt, das man angeblich nicht mehr spülen muss. Die Erfinder sehen in dem Geschirr-Prototypen nicht nur eine Kosten- und Zeitersparnis, sondern loben ihn auch als Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz, weil dadurch potenziell weniger Strom und Spülmittel verbraucht wird. In sehr wasserarmen Gegenden könnte damit auch sinnvoll Trinkwasser gespart werden.

Die Beschichtung der Teller und Schalen imitiert den so genannten Lotuseffekt, der seinen Namen von der Lotuspflanze hat: Deren Blätter weisen eine Nanostruktur auf, die dazu führt, dass abperlendes Wasser Schmutz mitnimmt. Das betrifft sogar wasserabweisende Partikel, weil die Adhäsionskraft zur ebenfalls hydrophoben Lotusoberfläche weniger stark ist als die zu den Wassertropfen. Die Hydrophobie der Oberfläche entsteht durch Kontaktwinkel von bis zu 170 Grad, die dafür sorgen, dass Wassertropfen nur mit etwa 0,6 Prozent aufliegen. In Asien gilt die Lotospflanze wegen dieser Eigenschaft als Symbol für Reinheit.

Der Lotuseffekt wird seit dem Ende der 1990er Jahre unter anderem bei Fassadenfarben, Außenkameras und Textilien eingesetzt. Ob sich das nun entwickelte Geschirr beim Verbraucher durchsetzt, dürfte unter anderem davon abhängen, wie vollständig die Selbstreinigung abläuft, welches Ess- und Trinkgefühl es erzeugt und ob man darauf nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis alles machen kann, was man von herkömmlichen Tellern und Tassen gewohnt ist - beispielsweise heiße Getränke servieren oder Fleisch scheiden. Neben technischen und gesundheitlichen Problemen sind auch solche mit dem "geistigen Eigentum" denkbar: Die Stühlinger Sto AG beansprucht nämlich sehr umfassende Markenrechte an allen Produkten, die den Lotuseffekt nutzen und damit werben.

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