Sicherheit durch Sichtbarkeit

Am MIT Media Lab entwickelt man einen Radhelm, der rot leuchtet, wenn Gehirnströme darauf hindeuten, dass der Fahrer sich nicht auf den Verkehr konzentriert

Die Bedeutung des Radverkehrs nimmt vor allem in den alten Industrieländern stark zu. Daraus ergeben sich neue Probleme für die Verkehrssicherheit. Am MIT Media Lab in Cambridge, Massachusetts kam man auf die Idee, diese neuen Probleme nicht nur mit Änderungen im Straßenbau und in den Verkehrsvorschriften anzugehen. Deshalb entwickelt man dort aktuell einen Fahrradhelm namens MindRider. Er wird mit einer 9-Volt-Batterie betrieben und schützt nicht nur den Kopf eines Radfahrers vor Verletzungen, sondern misst auch dessen Gehinströme mittels eines NeuroSky-MindSets. Die angeschlossene ArduinoPro-Hard- und Software interpretiert diese Elektroenzephalogrammwerte und schließt daraus, ob der Fahrer sich auf den Verkehr konzentriert oder nicht.

Deuten die EEG-Signale darauf hin, dass er konzentriert und wach ist, dann leuchten die LEDs am Helm grün. Ist er jedoch müde oder emotional abgelenkt, dann werden sie rot und signalisieren anderen Verkehrsteilnehmern, dass er eine Gefahr darstellt, auf die sie besonders achten müssen. Gerät der Radfahrer in Panik, dann blinken die LEDs rot. In zukünftigen Versionen des Helms will man die Leuchtsignale via Bluetooth Mate auch dem Helmträger selbst am Fahrradlenker anzeigen, damit er im Bedarfsfall absteigen und Pause machen oder auf ein anderes Verkehrsmittel umsteigen kann. Durch mehr EEG-Kontakte soll außerdem die Interpretation der Fahrtüchtigkeit zuverlässiger werden. Darüber hinaus denkt man über die Integration von Sensoren und Näherungsschaltern nach.

Sollte sich der MindRider im Testeinsatz bewähren und zur Serienreihe gelangen, dann spricht wenig dagegen, dass man ihn für Radfahrer ebenso zur Pflichtausstattung erklärt wie Warndreiecke, Erste Hilfe-Kästen und andere sicherheitsrelevante Komponenten für PKW-Fahrer. Darüber hinaus scheint die dem MindRider zugrunde liegende Technologie auch geeignet, bei motorisierten Zweiradlenkern zu überprüfen, ob sie wach und unaufgeregt genug sind, um am Verkehr teilzunehmen, ohne sich und andere unangemessen zu gefährden. Sogar bei Auto- und LKW-Fahrern wäre sie theoretisch einsetzbar. Diese müssten sich zwar daran gewöhnen, sich etwas auf den Kopf zu schnallen – aber wie die Geschichte des Sicherheitsgurts zeigt, liegt solch eine Verhaltensänderung durchaus im Bereich des Durchsetzbaren.

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