Siemens folgt Bosch bei Ausstieg aus dem Solargeschäft

Solarthermie kommt wegen dem Preisverfall von Photovoltaik-Modulen ins Trudeln

Nach Bosch steigt nun auch das deutsche Unternehmen Siemens definitiv aus dem Solargeschäft aus. Das Handelsblatt hatte gemeldet, dass die Suche nach einem Käufer für die Sparte erfolglos geblieben sei. Der Münchener Konzern werde einen Schlussstrich unter seinen kostspieligen Ausflug ziehen und die Sparte schließen. Dass die Produktion in Kürze eingestellt werde, bestätigte ein Sprecher des Unternehmens. Aus erneuerbaren Energien steigt Siemens aber nicht aus, sondern will sich auf Wind- und Wasserkraft konzentrieren.

Siemens hatte sich 2009 zum Ziel gesetzt, mit der Übernahme des israelischen Solarthermie-Spezialisten Solel zum Weltmarktführer für Solarthermie zu werden. "Die Erfolgsgeschichte des schnellen und sehr erfolgreichen Ausbaus unseres Windgeschäftes wollen wir nun auch bei der Solarenergie fortschreiben", wurde damals erklärt. Die Vormachtstellung in der Solarthermie nimmt aber die spanische Abengoa ein, die weiter ehrgeizige Solarthermie-Projekte startet .

Von der Schließung der Solar-Sparte bei Siemens sind vor allem 280 Beschäftigte in Israel betroffen. Der Solarthermie-Ausflug soll Siemens etwa eine Milliarde Euro gekostet haben, wird geschätzt. Solel war einst für 284 Millionen Euro übernommen worden. Da laufende Projekte fertiggestellt und Gewährleistungspflichten in den nächsten Jahren erfüllt werden sollen, koste die Schließung noch einmal einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.

Beobachter machen vor allem den Preisrückgang im Bereich der Photovoltaik und Überkapazitäten dafür verantwortlich, dass sich kein Käufer für gefunden habe. "Solarthermie war wegen des Preisrückgangs bei Modulen schon seit 2011 nicht mehr gegenüber Photovoltaik wettbewerbsfähig", zitieren die MittelstandsNachrichten Leonard Herbig, Analyst beim Zentrum für Solarmarktforschung in Berlin. Aus dem Desertec-Projekt, in Nordafrika große Teile des europäischen Stroms zu produzieren, war Siemens schon ausgestiegen.

Mit solarthermischen Anlagen nicht Brauchwasser zu erwärmen, sondern Strom zu erzeugen, ist aufwendiger als über Photovoltaik. In großen Anlagen wird das Sonnenlicht über Spiegel gebündelt und eine Absorberflüssigkeit erhitzt. Darüber wird Wasser verdampft und wie in einem gewöhnlichen Gas-, Öl- oder Kohlekraftwerk eine Turbine angetrieben. Der Vorteil der Anlagen liegt vor allem darin, dass Sonnenenergie einfacher gespeichert werden kann, um Strom auch in der Nacht zu erzeugen.