Sind Frauen dank eines Gens glücklicher als Männer?

Nach US-Wissenschaftlern scheint ein Gen auf dem X-Chromosom eine Rolle bei der Geschlechterverteilung der Lebenszufriedenheit zu spielen

Aus der Sicht des Mannes scheint die Welt ungerecht zu sein, wenn es denn stimmt, was US-Wissenschaftler herausgefunden haben wollen. Sie haben nämlich ein Gen entdeckt, das irgendwie für Glück oder Zufriedenheit, für "happiness", zu sorgen scheint, aber das soll nur bei Frauen wirken, nicht aber bei Männern. Die Entdeckung, so die Wissenschaftler, könne erklären, warum Frauen, zumindest nach einigen Studien, zwar stärker zu Stimmungs- und Angststörungen neigen, aber öfter glücklicher sind als Männer.

Das Gen Monoaminooxidase-A (MAOA), das sich auf dem X-Chromosom befindet, von dem Männer bekanntlich nur eines besitzen, könnte für die unterschiedliche Glückszuteilung mit verantwortlich sein. Es bildet ein Enzym, das an der Regelung wichtiger Neurotransmitter wie Dopamin, Serotonin oder Norepinephrin beteiligt ist. Es soll mitunter Männer aggressiver machen, wenn ein entsprechender MAOA-Mangel durch das Vorliegen des Allels MAOA-L (niedrige Aktivität) besteht, weswegen es auch schon mal als "Krieger-Gen" bezeichnet wurde. Es soll auch die Neigung für delinquentes Verhalten und für Alkoholismus bei Männern fördern. 2009 wurde einem Mörder in Italien eine Strafminderung gewährt, nachdem zwei Neurowissenschaftler in einem Gutachten dargelegt hatten, dass er wegen seiner Ausprägung des MAOA-Gens eine erhöhte Neigung zur Gewalt habe ( Gen vor Gericht). Nach Studien soll bei der Variante MAOA-H (hohe Aktivität) bei Frauen das Risiko für Depressionen und Panikattacken höher sein.

Nun haben die Wissenschaftler in ihrer Studie, die in der Zeitschrift Progress in Neuro-Psychopharmacology & Biological Psychiatry erschienen ist, auch noch das Gen bei Frauen mit Glück in Verbindung geuscht. Untersucht wurden für die Studie 193 Frauen und 151 Männer, die an einer Langzeitstudie teilnehmen und von denen umfassende Angaben zu Alter, Geschlecht, Bildungsstand, Einkommen, physische und psychische Gesundheit, Religiosität, Beschäftigung, Selbstwertgefühl etc. vorliegen. Mit genetischen Tests wurde festgestellt, ob bei den Teilnehmern die MAOA-L- oder die MAOA-H-Genvariante vorliegt. Frauen können auch eine Genvariante mit mittlerer Aktivität besitzen, Männer nach Angaben der Wissenschaftler nur die L- oder H-Varianten, da sie nur ein X-Chromosom und damit ein MAOA-Gen besitzen. Zudem wurden die Teilnehmer gebeten, ihr Glücklichsein bzw. ihre Lebenszufriedenheit auf einer Skala anzugeben.

Von den 345 Teilnehmern an der Studie hatten 33 (9.6%) zwei MAOA-L-Allele, 132 (38.3%) eines und 180 (52.2%) keines. Nach Berücksichtigung der anderen Faktoren, die das Glücklichsein beeinflussen können, waren nach ihrer Selbsteinschätzung diejenigen mit einem MAOA-L-Allel glücklicher als diejenigen, die keines haben. Werden die Geschlechter getrennt behandelt, ergeben sich deutliche Unterschiede. Von den Männern hatten 52 (34.2%) ein und 100 (65.8%) kein MAOA-L-Allel, ein Zusammenhang mit Glücksempfinden ließ sich bei ihnen nicht entdecken, wohl aber bei den Frauen, von denen 33 (17.1%) zwei Allele, 80 (41.5%) eines und 80 (41.5%) keines hatten. Noch deutlich glücklicher waren aber diejenigen mit zwei MAOA-L-Allelen, also Frauen.

Dass sich bei den Männern mit dem MAOA-L-Allel kein signifikanter Unterschied zu den Männern mit dem MAOA-H-Allel im Hinblick auf Glück zeigt, könnte, so vermuten die Wissenschaftler, am höheren Testosteron-Spiegel liegen, der vielleicht den Effekt kompensiert. Dann könnten Männer, also die mit dem eigentlich "richtigen" Allel, womöglich glücklicher vor der Pubertät sein, dann frisst das Testosteron die Wirkung weg. Warum die Frauen mit dem MAOA-L-Allel glücklicher zu sein scheinen, können die Wissenschaftler ebenfalls nicht erklären. Sie vermuten, dass wegen der geringeren Aktivität weniger Serotonin, Dopamin und anderen Neurotransmittern im Gehirn abgebaut werden, was die Stimmung heben könnte.

Aber die Gene spielen, wie die Wissenschaftler einräumen, nur eine gewisse Rolle beim Wohlbefinden, ihr Einfluss wird auf 35-50 Prozent geschätzt. Dazu kommt, dass es natürlich kein einzelnes Glücklichkeits-Gen - wenn überhaupt - gibt, sondern Glück oder Lebenszufriedenheit neben den vielen Einflüssen aus Umwelt und Erfahrungen aus einer Vielzahl genetisch bedingter Faktoren erwächst.