Snowden-Verdacht: Flugzeug des bolivianischen Präsidenten zur außerplanmäßigen Landung gezwungen [2. Update]

Der Maschine aus Moskau wurden die Überflugrechte in Frankreich und Portugal verweigert

Ein Flugzeug, mit dem der bolivianische Präsident Evo Morales, auf dem Weg von der russischen Hauptstadt Moskau in seine Heimat war, musste heute Nacht außerplanmäßig in der österreichischen Hauptstadt Wien landen. Grund dafür war nach Angaben des bolivianischen Verteidigungsministers Rubén Saavedra, dass Frankreich, Portugal, Italien und Spanien Überflugsrechte verweigerten, weil sie glaubten, dass sich der von US-Behörden wegen Geheimnisverrats gesuchte NSA-Whistleblower Edward Snowden an Bord der Regierungsmaschine befindet. Snowden, der sich sein über einer Woche auf dem Moskauer Scheremetjewo-Flughafen aufhalten soll, hat in zahlreichen Ländern Asylanträge gestellt – darunter auch in Bolivien.

Nachdem der bolivianische Außenminister David Choquehuanca scharf dementierte, dass sich Snowden in dem Flugzeug befindet, soll Frankreich mittlerweile wieder Überflugrechte eingeräumt haben. Eine offizielle Bestätigung von dort liegt bislang jedoch ebenso wenig vor wie Reaktionen aus den anderen drei genannten Ländern. Choquehuanca zufolge wurde durch die alleine wegen eines Gerüchts und ohne Rückfragen oder ausreichende Prüfungen angeordnete Luftraumsperre das Leben von Evo Morales gefährdet. Die bolivianische Regierung will den Zwischenfall nun vor die Unión de Naciones Suramericanas (Unasur) bringen, die einer Twitter-Ankündigung der argentinischen Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner nach außerplanmäßig tagen soll. Die Organisation besteht aus Bolivien, Ecuador, Venezuela, Peru, Brasilien, Argentinien, Chile, Paraguay, Uruguay, Kolumbien, Guyana und Surinam.

Bolivien wird seit 2006 von einem indianischen Präsidenten und einer Partei regiert, die auf eine von den USA unabhängige Politik pocht. Zwischen den beiden Ländern gibt es nicht nur wegen des Anbaus von Coca-Blättern Streit (den die bolivianische Regierung erlaubt und der von den US-Behörden als Förderung der Kokainproduktion abgelehnt wird): 2008 hatte Präsident Morales den US-Botschafter zur Ausreise aufgefordert und ihm vorgeworfen, sich mit weißen Landbesitzern zu einer Abspaltung der dünn besiedelten, aber rohstoffreichen Tieflandgebiete Boliviens verschworen zu haben.

Update: Nachdem österreichische Behörden eine Passkontrolle durchführten, ist die Präsidentenmaschine mittlerweile wieder gestartet und auf dem Weg nach la Paz.

2. Update: Vertreter der Regierungen von Frankreich und Spanien dementieren inzwischen, dass sie ihren Luftraum heute Morgen für die Morales-Maschine gesperrt hatten.

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