So viel Netz wie möglich?

Umweltverbände kritisieren Netzentwicklungsplan

Morgen, am 10. Juli, gehen die Konsultationen für den Netzentwicklungsplan zu Ende, den die vier großen Betreiber der Höchstspannungsnetze vorgelegt haben. Rund 100 Stellungnahmen wurden eingereicht, am Donnerstag soll es eine öffentliche Diskussionsveranstaltung dazu geben.

Auf der Grundlage von vier Szenarien für die Anteile der verschiedenen Energieträger und die geografische Verteilung der Stromerzeugung wurde der Bedarf an Übertragungskapazitäten für die Jahre 2022 bis 2032 abgeschätzt. Das Ergebnis: Insgesamt 3.800 Kilometer neuer Leitungen seien notwendig, wovon 2.100 Kilometer als Gleichstromleitungen geplant sind. Letzteres vermindert den Transportverlust über große Entfernungen erheblich. Zusätzlich zum Ausbau sei eine Aufrüstung bestehender Leitungen auf 4400 Kilometer Länge notwendig. Wo es möglich ist, sollen auch für die neuen Leitungen bereits existierende Trassen genutzt werden.

Kosten soll das Ganze 20 Milliarden Euro in zehn Jahren, was sich nach mehr anhört, als es ist. China, das natürlich einen wesentlich größeren Bedarf hat, will allein in diesem Jahr rund 38 Milliarden Euro in seine Netze investieren. Hierzulande konnte man in den letzten Jahren immer wieder von Insidern sowohl aus dem Bereich der erneuerbaren Energieträger als auch aus Unternehmen, die Kabel und ähnliche Ausrüstung herstellen, hören, dass es in Deutschland einen erheblichen Nachholbedarf gebe, da seit der Liberalisierung der Strommärkte zu Beginn des Jahrhunderts nicht mehr ausreichend in die Instandhaltung investiert werde.

Umweltverbände loben, dass es ein öffentliches Konsultationsverfahren gebe, sparten aber ansonsten nicht mit Kritik. Der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) meldet Zweifel an, dass der Netzausbauplan an den offiziell geltenden Klimaschutzzielen ausgerichtet sei. Die Autoren gingen, so der BUND in sein Analyse, von einem viel zu hohen Anteil des Stroms aus Kohlekraftwerken aus, die im Vergleich zu den Referenzszenarien des Bundesumweltministeriums zu jährlich zusätzlichen 90 Millionen Tonnen CO2-Emissionen führten. Es würde in den Annahmen zwar akzeptiert, dass sich die Zahl der Kohlekraftwerke verringere, aber zugleich würde von einer viel zu hoher Auslastung der verbliebenen Kraftwerke ausgegangen.

Auch die Deutsche Umwelthilfe (DUH) [http://www.duh.de/pressemitteilung.html?&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=2885&cHash=69e5c1fc241c9c88ba1b413d95a83667 äußerte sich kritisch]. Die Übertragungsnetzbetreiber würden ein Energienetz anstreben, dass einerseits die Energiewende ermögliche, aber auch die Option einer „Rückkehr zu einem zentralistischen Stromsystem auf Basis großer Kohlekraftwerke“ offen halte.

Der Plan sei nach der Maxime gestrickt, so viel Netz wie möglich vorzuhalten. Als Beispiel dafür sieht Peter Ahmels, Leiter der Abteilung Erneuerbare Energien bei der DUH, die Tatsache, dass ausgerechnet das ungewöhnlich windreiche Jahr 2007 zur Basis der Berechnung herangezogen wurde. Außerdem bliebe die Tatsache unberücksichtigt, dass niemals alle Windkraft- und Solaranlagen gleichzeitig in Netz einspeisen. Beispielsweise könne der Ausbaubedarf deutlich reduziert werden, wenn auf einige wenige Prozent der Spitzeneinspeisung verzichtet wird.

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