Solange Merkel regiert, gewinnt Deutschland keinen Fußball-Titel

Spanien wird Weltmeister, Deutschland gewinnt wieder die Goldene Ananas - eine kleine WM-Bilanz

"Machen wir jetzt erstmal Sport. Wer weiß, was dann noch kommt. ... Sie werden immer wichtiger, die Sportreporter und Sportredaktionen." Christian Wulff

Was hat Christian Wulff eigentlich auf der Pressekonferenz des DFB zu suchen? Wann entlässt das ZDF Katrin Müller-Hohenstein? Warum muss Belá Rethy, der Mann mit dem Schlagersängernamen, Länderspiele moderieren? Was hat es mit dem Nike-Fluch auf sich? Und übrigens: Spanien wurde Weltmeister.

Christian Wulff ergriff seine Chance. Denn natürlich hat Politik mit Fußball zu tun, natürlich bietet sich dem neuen Bundespräsidenten keine bessere Chance, als der Fußball, um seine miserablen Popularitätswerte nach oben zu katapultieren. Trotzdem bewies man beim ZDF wieder einmal todsicheren Instinkt für Peinlichkeiten, als am Sonntag Wulff neben Schweinsteiger und Löw das WM-Abschneiden kommentierte, und er ein paar Stunden später als neuer ZDF-Experte neben Oliver Kahn auch das WM-Finale kommentierte. Vielleicht sollte man jetzt Joachim Gauck zum Bundestrainer machen.

Wie sehr ist das Team 2010 ein Produkt der Merkel-Ära?

No, they can't - solange Angela Merkel regiert, wird Deutschland keinen Fußball-Titel gewinnen. Denn der Stil einer Fußball-Nationalmannschaft spiegelt auch die politischen Verhältnisse. Und Deutschland hat immer nur WM-Titel gewonnen, wenn es auch politisch-soziale Umbruchsphasen erlebte: 1954 am Ende der Wiederaufbauära, 1974 am Ende der sozialliberalen Reformen und Ostpolitik. 1990 am Ende der Wiedervereinigung.

Natürlich war Ballacks Verletzung ein Segen für das Team. Sie wirbelte die Hierarchien durcheinander, verflachte sie, zwang alle Spieler in die Verantwortung, dynamisierte das Spiel, ließ zugleich im Mittelfeld Spielraum für das hervorragende Dreieck Schweinsteiger, Khedira, Özil.

Wie sehr ist das Team 2010 ein Produkt der Merkel-Ära? Vielleicht mehr, als man gern wahrhaben möchte: Leise Effizienz, Teamgeist, aber auch das Fehlen einer Vision, ist auch im Nationalteam bemerkbar.

Einmal mehr bewies der spanische Rechts-Außenverteidiger Ramos im Finale, dass Philipp Lahm, "Der Schwiegersohn" (BILD), in dieser Position völlig überschätzt ist. Überhaupt hat sich Lahm, offenbar von einem Napoleonkomplex geplagt, in der vergangenen Woche als taube Nuss erwiesen: Die Debatte um die Balack-Nachfolge kam zur Unzeit. Sie brachte Unruhe in die deutsche Mannschaft. Sie bewies aber vor allem, dass Lahm schon vor dem Spiel starke Zweifel am Sieg hatte. Sonst hätte er ja gut damit warten können, den Streit mit Ballack publik zu machen, ein Halbfinaleinzug hätte ihn nur in eine stärkere Position gebracht. Stattdessen gab es in Durban Tränen von "Zwerg Nase".

Allerdings: Auch wenn Jogi Löw nach dem Bundesverdienstkreuz kurz vor der Heiligsprechung steht, darf man vielleicht an dieser Stelle noch einmal nachkarten: Gegen Spanien hätte man offensiver spielen müssen, Toni Kroos wäre der bessere Müller-Ersatz gewesen, weil er offensiver ist. Gegen Spanien hätte man auch weiter vorn und härter verteidigen müssen. Häufiger foulen. Das bewiesen am Sonntag im Finale die Holländer, die gegen Spanien weitaus besser auftraten als die Deutschen.

Gewonnen hat nun Zapatero. Spanien ist Weltmeister, alles in allem verdient. Gewonnen hat mit Spanien die beste Mannschaft, das ausgeglichendste Team, das zugleich mit herausragenden Einzelspielern aufwarten kann. Mit Iniesta erzielte auch der richtige Mann das entscheidende Tor: nicht Villa, nicht Xavi, nicht der unglückliche Torres, sondern der stillere der beiden Mittelfeldgenies, der aber längst aus Xavis Schatten getreten ist.

Es gewann auch ein Team, das homogen war, und sich systemtreu verhielt - was auch für Holland und Deutschland gilt. Es gewann der Offensivfußball, Ballhalten und -spielen statt zerstören. Es gewann Europa über Lateinamerika und Afrika sowieso.

Das deutsche Fernsehen und der Nike-Fluch

Sie fahren und fahren. Sie fahren, um leibhaftig im Stadion zu sein und dort in einer kleinen Glaskabine mit schlechter Sicht aufs Spielfeld zu blicken - wahrscheinlich eher noch in den Monitor mit dem Echtbild. Und nach dem Spiel fahren sie wieder und können das zweite Spiel nicht mehr sehen, wie wir zuhause. Weswegen wir ihnen immer viel voraus haben. Sie hoffen und hoffen. Sie hoffen auf einen Sieg der deutschen Mannschaft. Was ihnen unbenommen ist, aber noch lange kein journalistischer Beitrag: Sie sind die ZDF-"Experten".

Kahn seufzt und ächzt, ist schlecht gelaunt ob der Unprofessionalität der Jungen, Frau Katrin Müller-Reichsparteitag sieht in ihrer billigen schwarzen Lederjacke aus wie Gabriele Pauli, Dagegen bei der ARD zeigte sich, Mehmet Scholl ist ein Glücksgriff: Seine Erläuterungen waren erhellend, prägnant, substantiell, direkt, er vermied jede Phraseologie.

Mit 89,2 Prozent erzielte das ZDF mit dem Viertelfinalspiel Argentinien gegen Deutschland einen Marktanteilsrekord im deutschen Fernsehen, den höchsten jemals gemessenen Marktanteil einer Sendung im deutschen Fernsehen.

Neben Pulpo-Paul wenig beachtet blieb der Nike-Fluch. Er bedeutet: Wer in einem Nike-Spot mitspielt, bleibt ohne Titel: Ronaldo, Ronaldinho, Rooney, Ribery, Cannavaro.

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