Solar-Deckel bringt nichts

Solar-Ausbau wird den Strompreis auch bei weiter kräftigem Zuwachs nur noch sehr moderat steigern. Preisvorteile der Erneuerbaren werden nicht an Verbraucher weiter gegeben

Wenn man sich die Stromerzeugungsdaten der Leipziger Strombörse anschaut, dann wird schnell klar, weshalb die Gegner der Energiewende in den letzten Wochen so ein Gezeter veranstalten. Die erneuerbaren Energieträger haben ihre Nische verlassen. Namentlich die Windenergie zeigte in den letzten Wochen, was in ihr steckt. Nach Angaben des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft war der Dezember der ertragreichste Monat, seit dem die neue Technologie eingeführt wurde. 8,5 Milliarden kWh wurden erzeugt, immerhin 1,4 Prozent des deutschen Jahresbruttoverbrauchs. Und der Januar ist auf dem besten Wege, dem Dezember den Rang streitig zu machen.

Derweil hat sich der Bundesverbandes der Solarwirtschaft (BSW Solar) zur vermeintlichen Kostenexplosion durch den starken Zubau von Solaranlagen [http://www.solarwirtschaft.de/presse-mediathek/pressemeldungen/pressemeldungen-im-detail/?tx_ttnews[year]=2012&tx_ttnews[month]=01&tx_ttnews[day]=12&tx_ttnews[tt_news]=14445&cHash=1cf27cc1afac13938d9435611d119445 geäußert]. Gemeinsam mit der Prognos AG hat der Verband ein Ausbau-Szenarium durchgerechnet und kommt zu dem Schluss, dass die Fotovoltaik nur noch sehr moderat zum Anstieg der EEG-Umlage beitragen wird. Bei einem Ausbau um weitere 20,3 GW werde der dadurch verusachte Anstieg des Strompreises nur 1,9 Prozent betragen.

(Bild: Prognos)

2013 führe ein zusätzliches Gigawatt an PV-Zubau in 2012 zu einem Zuwachs der EEG-Umlage von nur noch 0,035 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh). 2008 sei es hingegen noch fast das Dreifache gewesen. Entsprechend würde ein Ausbau-Deckel von einem Gigawatt, wie ihn Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler für die Fotovoltaik fordert, den Strompreis 2016 gerade um 0,3 ct/kWh verbilligen. Statt 28,2 würde er dann 27,9 ct/kWh betragen, ergibt das untersuchte Szenario. Der Preis wäre ein drastischer Kahlschlag im Handwerk und eine Verzögerung der Energiewende. Statt der möglichen 20,3 GW würden bis 2016 nur fünf GW PV-Leistung hinzu kommen.

(Bild: Prognos)

Interessant werden diese Zahlen insbesondere, wenn man einen Blick auf die Struktur des Strompreises und seines Zuwachses wirft. Laut dem vorgelegten Szenario werden die Verbraucher 2016 3,8 Cent mehr als 2012 für die Kilowattstunde Strom bezahlen (siehe Grafik). Auf das Konto des PV-Zubaus gehen davon nur 0,46 Cent. Damit ist er ein Faktor unter vielen und noch nicht einmal der größte. Der von der Bundesregierung so favorisierte Ausbau der Offshore-Windenergie wird den Verbrauchern teurer kommen. Ebenso die Netze, was u.a. eine Folge der Entlastung sein dürfte, die die Bundesregierung den großen Industriebetrieben beschert hat.

Bei all dem muss man sich immer vor Augen halten, wie die EEG-Umlage zustande kommt. Sie spiegelt keineswegs die realen Mehrkosten der erneuerbaren Energieträger wieder, sondern ergibt sich vor allem aus der Differenz zwischen den bezahlten Vergütungen und den Preisen, die die Übertragungsnetzbetreiber an der Börse für den grünen Strom erzielen. Dabei haben sie allerdings keine Motivation, einen besonders hohen Preis zu erzielen, da sie die Differenz ja auf jeden Fall von den Privatkunden und kleinen Gewerbebetrieben erstattet bekommen.

Die Industrie profitiert hingegen von den Erneuerbaren, während sie sich an der EEG-Umlage nur geringfügig beteiligt. Wie der Brancheninformationsdienst IWR berichtet, hat das hohe Angebot an Windstrom im Dezember kräftig auf die Börsenpreise gedrückt. Gegenüber dem Vormonat hätten sie etwas mehr als 22 Prozent niedriger gelegen. Eine Kilowattstunde habe im Mittel zwischen 4,29 (Grundlast) und 5,347 Cent (Spitzenlast) gekostet.

Von diesen Vergünstigungen profitieren alle Großabnehmer, die sich an der Börse eindecken, das heißt vor allem Industriebetriebe, aber auch Versorgungsunternehmen. An den Verbraucher werden diese Vorteile in der Regel nicht weiter gegeben.

Unterdessen weist die Deutsche Umwelthilfe darauf hin, dass am 8. und 9. Dezember letzten Jahres, als angeblich in Bayern Notstand herrschte, und daher kurzfristig in Österreich Kraftwerke angeworfen werden mussten (Telepolis berichtete), mehrere bayerische E.on-Kraftwerke stillstanden. Offensichtlich habe "kühles betriebswirtschaftliches Kalkül des Übertragungsnetzbetreibers" dazu geführt, dass mehrere Gaskraftwerke, die zur Verfügung gestanden hätten, nicht genutzt wurden.