Solaranlagen in der Landwirtschaft

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In China verbindet ein gigantischer Solarpark Energiegewinnung und landwirtschaftliche Nutzung

Solarzellen können auf Dächer geschraubt werden, aber man kann sie auch ins Freiland stellen, wie es nicht nur hierzulande des Öfteren zu sehen ist. Allerdings ist Deutschland ein vergleichsweise dicht besiedeltes Land und landwirtschaftlich nutzbare Fläche gemessen an seiner Bevölkerungsgröße sind eher knapp. Solaranlagen auf Bauernland sind daher nicht von allen gern gesehen.

Allerdings müssen sich Energiegewinnung und landwirtschaftliche Nutzung nicht unbedingt ausschließen. Im großen Stil zeigt das ein Projekt, das derzeit in China aufgebaut wird. Das PV-Magazin berichtet über einen Solarpark mit einer Leistung von enormen einem Gigawatt. Das ist etwas mehr als die, welche ein modernes Kohlegroßkraftwerk hat. Die beiden Blöcke in Hamburg Moorburg haben etwa eine Leistung von je 0,8 GW oder 800 Megawatt.

Für einen derartigen Solarpark braucht man sehr viel Platz, Fläche, die auch in China oft knapp ist, wo sich ein erheblicher Teil der Bevölkerung und der landwirtschaftlichen Betriebe im Osten konzentriert. Besagtes Solar-Projekt wird allerdings im Landesinneren in einer von der Ausbreitung der Wüsten bedrohten Region errichtet.*

Die Baofeng Gruppe, ein Unternehmen, das Geld mit Webseiten für Gamer, mit Video-Plattformen im Internet und mit ähnlichem verdient, hat 2014 Nutzungsrechte für 107 Quadratkilometer unfruchtbares Land erworben und dort zunächst Luzerne zur Bodenverbesserung ausgesät.

Später wurden Solaranlagen errichtet – 640 Megawatt (0,64 GW) sind nach dem Bericht des Magazins bereits installiert – und unter diesen Büsche gepflanzt. An diesen wachsen nun Gouji-Beeren (Deutsch: Chinesische Wolfsbeeren), die in der Medizin Ostasiens sehr beliebt sind.

Das Projekt bringt durch die Vermarktung der Früchte nicht nur doppelten kommerziellen Nutzen. Es hat in einer vom Vordringen der Wüste bedrohten Region auch das lokale Ökosystem deutlich verbessert. Es gebe nun mehr Wildtiere wie Spatzen, Fasane und Hasen. Die Solaranlagen würden die Verdunstung der Landoberfläche um 30 bis 40 Prozent verringern.

Mit der Doppelnutzung landwirtschaftlicher Flächen wird auch in einer Reihe anderer Länder experimentiert, doch bisher nirgendwo in so großem Maßstab wie in China. In den US-Bundesstaaten New York und North Carolina werden zum Beispiel Schafe als Rasenmäher eingesetzt. Doch das dürfte nicht so ungewöhnlich sein. Auch ist es zwar für die lokale Artenvielfalt sicherlich sehr nützlich, aber der ökonomische Ertrag wird eher gering sein.

In Frankreich experimentiert man seit 2019 im Südwesten, im Department Pyrénées Orientales, mit dem Anbau von Feldfrüchten unter Solaranlagen. (Hier ein kleines Youtube-Video, in dem das Vorhaben in französischer Sprache beschrieben wird.) Ein ähnlicher Versuch wird an anderem Ort ebenfalls in Frankreich mit einer kleinen Apfelplantage gemacht.

In Deutschlands Südwesten gibt es bei der Hofgemeinschaft Heggelbach das Projekt Agrophotovoltaik. Solaranlagen sind dort so hoch angebracht, dass landwirtschaftliche Maschinen bequem unter ihnen hindurch fahren können. Die Uni Hohenheim sowie das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse begleiten das Projekt.

Heraus kam bisher nach der Analyse der Ernten unter den Anlagen und entsprechenden unbeschatteten Referenzflächen, dass je nach Feldfrucht der Ertrag unter den Anlagen in normalen Jahren etwas geringer ausfallen kann. In besonders trockenen und sonnenreichen Jahren kann die Beschattung jedoch den Ertrag sogar erhöhen. Ökonomisch dürfte das Ganze also sinnvoll sein.

Ähnliche Ergebnisse lieferte auch ein 2017 und 2018 in Südkorea durchgeführter Versuch mit einem Reisfeld. Der Reisertrag betrug unter den Solaranlagen je nach Sorte 83 bis 85 Prozent des Ergebnisses auf einer Referenzfläche. Der Bauer konnte außerdem zusätzlich zum Erlös für den Reis bei einer Einspeisevergütung von umgerechnet etwa 15 Euro Cent pro Kilowattstunde noch einmal in etwa das Siebenfache mit dem produzierten Strom verdienen.

* Dieser Absatz war ursprünglich missverständlich formuliert. Der Solarpark wird in der Provinz Ningxia im Landesinneren aufgebaut, die mit 6,3 Millionen Einwohnern eher dünn besiedelt ist.