Sozialdemokraten sacken in Tirol auf unter 14 Prozent

Großer Gewinner der Landtagswahl ist mit fast 10 Prozent die neue Partei "Vorwärts"

Der große Gewinner bei den gestern abgehaltenen Landtagswahlen im österreichischen Bundesland Tirol ist die neue Partei Vorwärts Tirol!, die aus dem Stand auf 9,3 Prozent kam. Sie warb mit einer "lösungsorientierten Politik" und der Absage an "ideologische Sachzwänge". Die Vorwärts-Erfolge gingen vor allem zulasten der Liste Fritz Dinkhauser, die 12,71 Punkte verlor und mit 5,64 Prozent nur mehr knapp den Einzug in das neue Landesparlament schaffte. 2008 hatte der ÖVP-Dissident Dinkhauser mit einem Wahlkampf gegen "Seilschaften" einen Überraschungserfolg erzielt.

Zweithöchster Verlierer sind die Freiheitlichem, die 2,8 Punkte abgeben mussten und nun mit 9,61 Prozent nur mehr knapp stärker sind als die Vorwärts-Partei. Die christdemokratische Volkspartei fiel mit einem Verlust von 0,94 Punkten zwar unter 40 Prozent (39,56), kam aber glimpflicher davon als ihr sozialdemokratischer Koalitionspartner, der um 1,62 Punkte auf 13,84 Prozent absackte.

Dem bisherigen Stand der Auszählung nach erhält die ÖVP 16 Mandate. SPD und Grüne kommen auf jeweils fünf, Vorwärts und die FPÖ auf jeweils vier. Kleinste Partei im Tiroler Landtag ist nun mit zwei Sitzen die Liste Fritz Dinkhauser. Damit könnte Landeshauptmann Günther Platter von der ÖVP seine schwarz-rote Koalition fortführen oder sich für die Grünen als neuen Partner entscheiden, die um 1,41 Punkte auf 12,14 Prozent zulegten. Als weniger wahrscheinlich gilt Beobachtern eine Koalition mit den eigenwilligeren Freiheitlichen. Die Vorwärts-Anführerin Anna Hosp war zwar von 2002 bis 2003 Hauptgeschäftsführerin der ÖVP, schloss aber eine Zusammenarbeit mit Plattner kategorisch aus.

Der Euro-Gegner und Flat-Tax-Befürworter Frank Stronach, der am 3. März bei den Landtagswahlen in Niederösterreich und Kärnten Erfolge feierte, blieb in Tirol mit 3,4 Prozent ebenso unterhalb der Sperrklausel wie der 2008 zusammen mit Dinkhauser angetretene Transitgegner Fritz Grugiser (4,84 Prozent), die erklärte "Protestpartei" Für Tirol (0,74 Prozent), die Kommunistische Partei Österreichs (0,53 Prozent) und die Piraten (0,39 Prozent). Gurgiser kann allerdings noch auf Zugewinne durch die Briefwahlstimmen hoffen, die erst am Dienstag ausgezählt werden. Die Wahlbeteiligung lag mit 56,09 Prozent deutlich niedriger als vor fünf Jahren, wo sich fast zehn Prozentpunkte mehr für den Urnengang entschieden hatten.