Spanien auf Absturzkurs

Risikoaufschläge für Staatsanleihen steigen auf ein Rekordhoch wegen Zweifel an den Banken

Am Freitag hat die spanische Regierung mit einer zweiten Bankenreform einen Befreiungsschlag versucht. Die Banken wurden gezwungen, den neuen Bedarf an Rückstellungen für angeblich gesunde Immobilienkredite noch vor dem Börsenstart am Montag zu veröffentlichen, um Vertrauen zu schaffen. Kreditinstitute müssen neue Milliarden für mögliche Kreditausfälle zurückzustellen. Gleichzeitig sollen sie ihre Risikopapiere aus faulen Immobiliengeschäften in "Bad Banks" auslagern. Wer die Anforderungen nicht aus eigener Kraft erfüllen kann, muss auf Staatskredite zurückgreifen.

Die Banken beziffern diese neu zu schaffenden Rücklagen auf fast 22 Milliarden Euro, die Regierung ging von 28 Milliarden aus. Davon entfällt die Hälfte auf die fünf Großbanken. Beim Branchenprimus Santander sollen es 2,7 Milliarden Euro sein, bei der BBVA 1,8 Milliarden Euro und bei der drittgrößten CaixaBank etwa 2,1 Milliarden Euro. Besonders trifft es die viertgrößte Bankia. Die Vereinigung aus sieben Sparkassen, die über die geplatzte Immobilienblase in Schieflage kamen, braucht sogar gut 4,7 Milliarden Euro. Neben den Rücklagen für angeblich gesunde Kredite hat die Muttergesellschaft BFA mit 32 Milliarden Euro besonders viele toxische Werte in den Büchern. Für die steht nun der Staat ein, denn BFA wird gerade verstaatlicht. Die 2010 mit 4,5 Milliarden Euro an Steuergeldern geförderte Fusion führte nicht zur Sanierung.

Vertrauen an den Finanzmärkten schufen die Maßnahmen nicht. Die Börse ging erneut um knapp 2,7% in den Keller. Der Risikoaufschlag für zehnjährige Staatsanleihen stieg im Tagesverlauf sogar auf 492 Basispunkte gegenüber Bundesanleihen. Das ist ein neuer Jahreshöchstwert und nur noch knapp unter dem Allzeithoch im vergangenen November. Die Zinsen sind auf fast 6,3% geklettert und nähern sich der Schwelle, an der Griechenland, Irland und Portugal Nothilfe beantragen mussten. Wie stark das Vertrauen sinkt, wird auch an sogenannten Kreditausfallversicherungen deutlich. Die Credit Default Swaps (CDS) stiegen auf ein Rekordhoch von 540 Basispunkten. Damit kostet es 540.000 Euro, um eine fünfjährige spanische Anleihe über zehn Millionen Euro für ein Jahr abzusichern.

Auch das kurzfristige Vertrauen schwindet. Das hat die Versteigerung von Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen 12 und 18 Monaten am Montag gezeigt. Zwar konnte Madrid wie geplant drei Milliarden Euro einnehmen, doch die Nachfrage sinkt und die Renditen steigen. Für Zwölfmonatspapiere musste durchschnittlich 2,98% Zinsen gezahlt werden, im April waren es schon hohe 2,62. Bei der Auktion der 18-monatigen Anleihen stieg die Rendite von 3,1 auf 3,3%. Deutschland musste am gleichen Tag für sechsmonatige Anleihen eine Rendite von nur 0,04% bieten und Österreich für zehnjährige 2,52%.

Es schafft kein Vertrauen, wenn der konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy in nur drei Monaten zwei Bankenreformen auf den Weg bringt und zudem viele Fragen offen bleiben. Unklar ist zum Beispiel, wie die die "Bad Banks" finanziert werden, in die nun die Risikopapiere auslagert werden. Die spanische Zentralbank beziffert die Summe an faulen Krediten sowie stark überbewerteten Immobilien und Grundstücke auf 184 Milliarden Euro, die real noch deutlich darüber liegen.

Wenn schon gesunde Immobilienkredite mit zusätzlich 22 Milliarden Euro stark abgesichert werden müssen, dann ist klar, dass die 54 Milliarden für die faulen Geschäfte kaum reichen, die Banken mit der Finanzreform im Februar zurückstellen mussten. Wirtschaftsminister Luis de Guindos hatte zudem angekündigt, es sei "im Prinzip" nicht vorgesehen, weitere Steuergelder für die Sanierung auszugeben, weil er das hohe Haushaltsdefizit nicht steigern will. Die EU-Kommission geht aber ohnehin davon aus, dass es Spanien 2012 nicht auf 5,3 und Ende 2013% wieder auf die Stabilitätsmarke von 3% drücken kann. Brüssel rechnet damit, dass es auch im nächsten Jahr noch 6,3% sein werden.

Dass die geplante Staatshilfen in Höhe von 15 Milliarden Euro reichen werden, glaubt eigentlich niemand. Wenn "gesunde" Kredite stark abgesichert werden müssen, bedeutet das, dass sie nicht sehr gesund sind oder wegen der Rezession bald faul werden können. Erwartet wird zudem, dass weitere Risiken in geschönten Bilanzen versteckt sind, wie sie bei Bankia gerade öffentlich wurden. Experten beziffern die Risiken im spanischen Bankensektor auf 80 Milliarden Euro, weshalb die Financial Times Deutschland damit bankensektor-spaniens-reform-kommt-zu-spaet/70036399.html: rechnet, dass sich die Iberer den "Kraftakt in einer Größenordnung" nicht leisten können und Spanien mit seinen Banken nun "direkt auf den EU-Rettungsschirm" zusteuert.

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