Spaniens wirtschaftlicher Absturz beschleunigt sich

Die EU driftet bei der Wettbewerbsfähigkeit immer weiter auseinander, Gegenpole sind Deutschland und Spanien

Das schwer von der Krise gebeutelte Spanien zeigt, was die Wirtschaftskrise verschiedenen EU-Ländern bescheren kann. Die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone steckt tiefe in der Krise, wobei die sozialistische Regierung bis heute offiziell noch nicht von einer Rezession spricht. Dabei sind die ökonomischen Daten extrem schlecht.

Nun gab die Regierung mit Verspätung zu, dass die Arbeitslosigkeit im Dezember unerwartet rasant um knapp 140.000 auf 3,13 Millionen gestiegen ist. In einem Jahr stieg sie offiziell um eine Million und knapp 50 %, womit die schlimmsten Prognosen eingetreten sind Während die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland erstmals wieder um 114.000 anstieg, wächst sie Spanien schon seit 16 Monaten. Mit 46 Millionen Einwohnern gibt es mehr Arbeitslose als in Deutschland mit einer Bevölkerung von 82 Millionen.

Eine Quote gab das Statistikamt nicht bekannt. Während die Arbeitslosenrate in Deutschland nun bei 7,4 % liegt, nähert sie sich in Spanien 14 % an. Das europäische Statistikamt Eurostat bezifferte sie schon für November auf 13,4 %, womit das Land abgeschlagen die traurige EU-Spitzenposition einnimmt. Danach kommen die Slowakei (9,1%) und Lettland (9,0%). Die spanische Regierung rechnet damit, dass 2009 vier Millionen Menschen arbeitslos sein dürften. Derlei Quoten wird man in Deutschland wohl nicht sehen, auch wenn die Arbeitslosigkeit stark steigen wird. Das zeigt auch das spanische Baskenland. Hier sind die Vorraussetzungen, wie in Deutschland, anders. Es wurde in Innovation und produktive Entwicklung investiert, weshalb die Arbeitslosigkeit auch hier erst kürzlich zu steigen begann. Die Quote liegt hier sogar noch immer deutlich unter der in Deutschland. So zeigt die Krise, dass in weiten Teilen des spanischen Staats die 14-jährige Wachstumsphase ein Pseudo-Boom war, der durch den Immobilien- und Konsumboom, eine großzügige Kreditvergabe der Banken und durch große Zahlungen aus der EU befeuert wurde, die meist nicht produktiv eingesetzt wurden.

Eine interne Studie der EU-Kommission, aus der die Financial Times Deutschland zitierte, EU-Wirtschaftspolitik-Eurozone-driftet-auseinander/457611.html: beschreibt, dass sich in der Frage der Wettbewerbsfähigkeit Deutschland und Spanien als Gegenpole gegenüber stünden. Die Kommission beschreibt Deutschland als die einzige große Euro-Volkswirtschaft, die kaum Probleme mit der Wettbewerbsfähigkeit habe und zudem einen großen Leistungsbilanzüberschuss verzeichne. "Deutschland hat seine Wettbewerbsfähigkeit wieder auf das Niveau vor dem Boom nach der Wiedervereinigung gebracht" und sei heute wettbewerbsfähiger als in den frühen 90er-Jahren. Ähnlich sei die Lage in den Niederlanden, Finnland, Luxemburg und Österreich.

Der Spitzengruppe stehen große Volkswirtschaften wie Frankreich, Spanien und Italien und kleinere Länder gegenüber. Ausgerechnet Währungskommissar Joaquín Almunia – spanischer Sozialist - geht mit seinen Genossen hart ins Gericht. Er spricht vom Auseinanderdriften der EU und einem besonders drastischen Absturz bei der Wettbewerbsfähigkeit sowie einem ebenso drastischen Anstieg des Leistungsbilanzdefizits in seiner Heimat. Ähnlich sei die Lage nur in Portugal und Griechenland.

Das Vertrauen in Spanien schwindet, weshalb das Land für Staatsanleihen deutlich höhere Zinsen zahlen muss, um die Neuverschuldung zu finanzieren. Deutschland ist ein attraktives Ziel für Anleger, weshalb für zehnjährige Bundesanleihen nur 3 % Zinsen gezahlt werden. Spanien muss dafür schon fast 4 % bieten, damit Kredite in die Staatskasse fließen. Noch 2006 gab es keinen Unterschied, aber mit der Finanzkrise öffnete sich die Schere. Im vergangenen August mussten schon 38 Basispunkte mehr gezahlt werden, im Oktober 57 und nun sind schon 84, die Spanien mehr an Zinsen zahlen muss. Im Land breitet sich, ähnlich wie in Japan, auch die Angst vor einer gefährlichen Deflation aus. Nachdem Spanien lange Zeit mit einer hohen Inflation zu kämpfen hatte, fallen die Preise jetzt drastisch. Die Inflation ist mit 1,5 % nun sogar unter den EU-Durchschnitt gefallen.

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