Spanische Firma baut schwimmende Strömungsturbinen

Nach erfolgreichen Tests in Schottland wurde mit dem Bau eines schwimmenden Meeresströmungskraftwerks begonnen

Die im nordwestspanischen Galicien angesiedelte Firma Magallanes Renovables hat mit dem Bau des ersten schwimmenden Kraftwerks begonnen, um Meeresströmungen zur Stromerzeugung zu nutzen. Es handelt sich um eine schwimmende Turbine mit einer Länge von 40 Metern, einer Breite von 25 Metern.

Den Prototyp lässt die Firma aus Rendondela nun in der Cardama-Werft in Vigo bauen. Er soll zwei Megawatt Strom aus Meeresströmungen erzeugen. Das ist eine andere Größenordnung als die 300 Kilowatt, die mit Turbinen in einer Hafenmole imBaskenland erzeugt werden oder die 500 bis 1000 Kilowatt von unter Wasser installierten Wellenflügeln, die in Portugal gebaut werden.

Im vergangenen Jahr wurde im Testgebiet des European MarineEnergy Centres (EMEC) auf den schottischen Orkney-Inseln ein im Maßstab 1:10 verkleinertes voll funktionsfähiges Modell erfolgreich geprüft. Das war der erste Schritt vor dem Bau dieses Prototyps in Originalgröße, der noch im Laufe dieses Jahres von der EMEC getestet werden soll. Denn nur dort gibt es eine offizielle Zulassung für solche Anlagen. Im Rahmen der Tests in Schottland hatte der Firmengründer Alejandro Marques de Magallanes erklärt, es gehe darum, die "Umsetzbarkeit" unter den widrigen Bedingungen auf See zu beweisen. Besonders bedeutsam sei gewesen, den Wartungsaufwand zu ermitteln und Erfahrungen beim Betrieb der Anlage zu erhalten.

Es handele sich um eine Art Floß oder Prahm, erklärt der Firmengründer. Unter dem Trimaran, der den Anlagen zur Muschelzucht in Galicien ähnelt, werden zwei Rotoren mit drei Flügeln und einem Durchmesser von 19 Metern angebracht, die die Energie der Meeresströmung in Strom umwandeln. "Es ist die erste experimentelle Plattform", die schon 1.200 Haushalte mit Strom versorgen könne und zwischen 700 und 800 Tonnen wiegen werde. "Wenn man ein Industrieprojekt mit einer ernsthaften technologischen Entwicklung will, muss man natürlich im Realmaßstab bauen", sagte er zum Baubeginn. Die Anlage konkurriert mit einem schottischen Modell. Das Scotrenewables Tidal Power wird ebenfalls gerade baut und bisher als größtes schwimmendes Gezeitenkraftwerk der Welt gehandelt.

Solche Kraftwerke haben gegenüber fest im Meeresboden verankerten Anlagen den Vorteil, dass sie zur Reparatur und Wartung in Werkstätten geschleppt werden können. Die Arbeiten müssen nicht auf hoher See unter widrigen und teuren Bedingungen durchgeführt werden. Damit sinken Installations- und Wartungskosten deutlich, weshalb sie nach einer Studie von Carbon Trust rentabel betrieben werden könnten.

Während es deutliche Verbesserungen gegenüber den Nachteilen von fest verankerten Anlagen gibt, bleiben die Vorteile erhalten. Denn anders als der Wind oder Sonne sind die Meeresströmungen kontinuierlich. Sie lassen sich sehr genau vorhersagen und berechnen. Die Qualität der Standorte lässt sich sehr gut einschätzen und die eingespeiste Strommenge ist damit deutlich weniger wetterabhängig. Deshalb können solche Anlagen einen stabilisierenden Beitrag bei der Umstellung auf erneuerbare Quellen haben. Geschätzt wird, dass mit den Strömungen vor den spanischen Küsten der Strom aus fünf Atomkraftwerken ersetzt werden kann. Praktisch könnten alle gefährlichen Atomkraftwerke im Land abgeschaltet werden. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass weltweit 1.2 Millionen MWh Strom im Jahr über Meeresenergie erzeugt werden kann. Das seien 7.5 der gesamten Energie, die weltweit benötigt wird.

Testen würde Magallanes Renovables ihr Kraftwerk gerne in der Meerenge vor Gibraltar, wo die Bedingungen besonders gut seien. Neben technischen Problemen in der britischen Kronkolonie an der Meeresenge zwischen Europa und Afrika ist die Firma aber an einem Industriestandard interessiert. Und dazu muss der Prototyp in Schottland geprüft werden, ohnehin sei EMEC weltweit führend, meint Magallanes. Gibraltar ist für die Firma auch als potentieller Kunde interessant. Obwohl dort die Sonne oft scheint und viel Wind weht, fehlt es an Platz für Solar- oder Windanlagen. Gibraltar setzt deshalb auf Meeresenergie und will in sechs Jahren 15 Prozent seines Strombedarfs über ein Wellenkraftwerk decken. Gesetzt wird dabei bisher auf eine Technik aus Israel.

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