Spanischer König bittet um Entschuldigung

Zehntausende haben in einer Petition gefordert, dem Elefantenjäger die Ehrenpräsidentschaft abzuerkennen

Der spanische König versucht sich nach seinem fatalen Fehltritt in Schadensbegrenzung, nachdem nun sogar schon gefordert wird, er solle abdanken. Am Mittwoch hat sich Juan Carlos de Borbón öffentlich entschuldigt, nachdem er sich Ende vergangener Woche bei der Elefantenjagd in Botswana die Hüfte gebrochen hatte. Als er nun das Krankenhaus in Madrid verließ, sagte er: "Ich bedauere das sehr. Ich habe mich geirrt und es wird nicht mehr vorkommen." Welches seiner Fehlverhalten er bedauert, sagte er in dem kurzen Statement nicht.

Der Staatschef hatte sich heimlich zum zweifelhaften Hobby in ein afrikanisches Land aufgemacht, in dem Spanien nicht einmal eine Botschaft unterhält, ohne die Regierung darüber zu informieren. Es wird als wenig beispielhaft gesehen, dass dafür viel Geld aus der Staatskasse fließt, während große Scheren an Ausgaben für Bildung, Forschung und Gesundheit angesetzt werden. Spanien befindet sich in einer tiefsten Krise, in der fast 5,5 Millionen Menschen und schon die Hälfte aller jungen Menschen arbeitslos sind. Fast die Hälfte der Arbeitslosen erhält keine staatliche Unterstützung mehr, weil das Arbeitslosengeld ausgelaufen ist und das Sozialgeld nur sechs Monate gezahlt wird.

Für Empörung hatte auch gesorgt, dass ausgerechnet der Ehrenpräsident der Umweltorganisation WWF erneut einen Elefanten schießen wollte, gemäß der Organisation eine "bedrohte Art". Dass der vom Diktator Franco als Nachfolger ernannte König nun die Flucht nach vorne antritt, hat auch damit zu tun, dass ein bisher undenkbarer Vorgang eingeleitet wurde. Der WWF will ihm den Ehrenposten aberkennen, womit die Krise der spanischen Monarchie manifest wird. In einer Petition wird das massiv gefordert, die in wenigen Tagen mehr als 90.000 Menschen unterzeichnet haben. Seine "Handlungen sind nicht vereinbar mit der Arbeit und der Mission" einer Organisation, die gegen die "Zerstörung der Umwelt" eintritt, heißt es darin.

Auf einer Sondersitzung kamen die WWF-Führungsmitglieder zusammen und auf der fünfstündigen Sitzung wurde einstimmig beschlossen, die nötige Satzungsänderung in Bezug auf die Ehrenmitglieder einzuleiten. Das letzte Wort hat nun eine Mitgliederversammlung. Nachgedacht werde darüber, den Posten des Ehrenpräsidenten zu streichen oder Juan Carlos diesen Posten abzuerkennen, sickerte an die Presse durch.

Viele WWF-Mitglieder sind entsetzt, die Telefone im Büro der Organisation stehen nicht mehr still, weshalb der spanische Generalsekretär schon ein Gespräch mit dem König gefordert hat, weil zahllose der 35.000 Mitglieder mit Austritt drohen. Juan Carlos del Olmo beklagt sich in dem Brief beim Monarchen über den "schweren Schaden für die Glaubwürdigkeit" einer Organisation, die sich seit "mehr als 50 Jahre für den Schutz von Elefanten und anderen Spezies einsetzt".

Auch aus anderen Sektionen in Europa hagelt es heftige Kritik daran, dass ausgerechnet ein bekanntermaßen begeisterter Jäger, der oft auf Großwildjagd geht, Ehrenpräsident der Sektion ist. Die Organisation ist gegen das Abschießen von Elefanten und anderen Tierarten, die sie als "bedroht" einstuft, sei es aus kommerziellen Gründen oder aus purem Vergnügen. Dass Juan Carlos schon 2006 vor einem von ihm abgeschossenen "Grauen Riesen" posierte und auch anderen bedrohten Arten nachstellt, hatte bisher im WWF nicht zum Nachdenken geführt.

Doch der Druck auf den schwer angeschlagenen Monarchen kommt auch aus einer anderen Richtung. Erst am Dienstag hat der in einen Betrugsprozess angeklagte Diego Torres dem Ermittlungsrichter diverse Emails übermittelt. Der Geschäftspartner des angeklagten Schwiegersohns des Königs will nachweisen, dass auch die Königstochter und der Monarch in die Vorgänge verwickelt sind. Iñaki Urdangarin hatte in der richterlichen Vernehmung versucht, alle Verantwortung auf Torres abzuschieben. Auffällig ist ohnehin, dass gegen Infantin Cristina nicht offiziell ermittelt wird, obwohl sie an den Firmen beteiligt ist, über die ihr Ehemann Steuergelder in Millionenhöhe in die eigene Tasche verschoben haben soll. Sie saß auch im Vorstand der Stiftung Nóos, die im Mittelpunkt der Ermittlungen steht.

Der Untersuchungsrichter Juan Castro hat die acht Schreiben zu den Akten genommen. Sie sollen belegen, dass Cristina und ihr Vater in den Geschäften der Stiftung vermittelnd tätig geworden seien. Castro will das in den weiteren Ermittlungen berücksichtigen. Die Schreiben datieren aus den Jahren 2005 bis 2007 und damit auch nach 2006, als der König seinen Schwiegersohn angewiesen hatte, die Nóos-Präsidentschaft niederzulegen. Zuvor hatten in Palma de Mallorca die oppositionellen Sozialisten die konservative Regionalregierung aufgefordert, die 1,2 Millionen Euro zu rechtfertigen, die an die Stiftung gingen, und damit die späteren Ermittlungen angestoßen. Im ersten von 26 Verfahren in diesem Rahmen, wurde der ehemalige Regierungschef der Baleareninseln schon wegen Veruntreuung, Betrug und Rechtsbeugung zu sechs Jahren Haft verurteilt.