Speichert mich doch einfach

Während Facebook jetzt tatsächlich – endlich – einen Opt-in von zwei Milliarden Nutzern für die hauseigene Gesichtserkennung verlangt, startet Amazon da erst durch

Eigentlich, sind wir ehrlich, wird es jetzt schon einmal Zeit dafür: Facebook wird brav und verlangt einen Opt-in für die hauseigene Gesichtserkennung. Das heißt, dass nun etwa zwei Milliarden Nutzer ... ok, dass 1.4 MIlliarden Nutzer und geschätzte 600 Millionen russische Fakeaccounts für die kommenden Wahlen in den USA ihr Einverständnis dazu geben müssen, dass die Social-Media-Plattform im Hintergrund die Gesichter auf den Uploads erkennt und sie mit Namen versieht.

Aha, das heißt, dass das bisher einfach so passierte, und man nicht wirklich darauf aufmerksam gemacht wurde. Aha, das passierte bisher solange, bis nun Apple seinerseits mit iOS13 ankündigte, dass es keine heimlichen Datensammlereien im Hintergrund mehr akzeptieren würde. Also muss Facebook reagieren. Nicht ganz freiwillig, aber natürlich sehr kooperativ und absolut transparent. Oder so.

Das heißt, dass man von zwei Milliarden Nutzern (oder weniger, weil die Russen... wir wissen Bescheid) nun ein OK haben will, wenn die Namen an die Gesichter geklebt werden. Ohne sie übrigens vorne herum unbedingt zu zeigen. Die Namen. Die Gesichter schon. Aber den Rest kann man vielleicht anderweitig brauchen. Vermutlich. Ich will gar nicht wissen, was Facebook sonst noch so alles im Hintergrund an meinem Daten zusammenschustert. Das heißt, eigentlich will ich es schon wissen, aber das wird mir Mark Zuckerberg wieder einmal wortreich nicht sagen, solange Apple das im neuen Betriebssystem nicht unterbindet. da treibt der Teufel dem Beelzebub die Marotten aus, und deshalb kann der Beelzebub jetzt nicht mehr so teuflisches Zeugs machen, es sei denn er einigt sich mit dem Teufel. Oder mit dem irgendeinem anderen Dämon.

Zum Beispiel diesem Einzelhändler aus Seattle, dessen Chef so gerne zum Mond fliegen will. Der Geschäfte wegen. Vorerst rollt Amazon aber eher unter dem Whole-Food-Mäntelchen weitere Datendeals auf der noch einigermaßen dazu brauchbaren Erde aus. Die Filialen sollen bald ohne das Zücken der Kreditkarte funktionieren, wenn man bereit ist, dem Onlineshop seine biometrischen Daten zur Verfügung zu stellen. Dann kann man einfach so in den Supermarkt reinlaufen, wird als Hänschen Klein erkannt und dabei gerne gesehen, wie man mit drei Tüten Chips und einem Karton Bier wieder einfach so herausspaziert.

Vermutlich muss man dann aber das Zeug kurz auf dem Gehsteig abstellen, weil man einen dringenden Alert der eigenen Facebook-App bekommt, jetzt bitte für eine Gesichtserkennung einzuwilligen. Man habe da eine nette Kooperation mit Amazon geschlossen und dann könne man in Zukunft, wenn man denn mal erkannt sei, gleich die Bilder vom Einkauf in den eigenen Facebook-Stream laden. Also in etwa so wie "Papa geht wieder Bier kaufen, Wochenende" oder "Schau Papa, Mama geht heute BIer kaufen, das wird ein super Wochenende."

Ja, speichert mich doch einmal ganzkörperlich bitte und tauscht das untereinander aus, damit ich ohne Kreditkarte und Upload auf Social Media tanken, Bier kaufen, eine Ausstellung besuchen und das ganze noch als Tinder Date anbieten kann. Sollte Mama bitte nicht erfahren, aber sonst wäre das schon sehr praktisch. Ich will endlich wirklich gläsern als Kunde werden. Und wenn ich dabei gut ausschaue, dann soll das bitte auch die Welt sehen. Die ganze.