Springerpresse vs. SPIEGEL

Trägt die Atlantik-Brücke noch?

Im deutsch-amerikanischen Elitennetzwerk Atlantik-Brücke e.V. scheint dieser Tage eine gewisse Unsicherheit zu herrschen. War für die mit Wirtschaft und Politik eng verdrahteten Alpha-Journalisten noch bis vor wenigen Wochen so sehr "Hurra Amerika" angesagt, dass man dem hundertfachen Kindermörder Obama seinen Drohnenterrorismus durchgehen ließ und beim Eskalieren des ursprünglichen Regionalkonflikts in der Ukraine eifrig applaudierte, ist mit Einzug des Proleten in Chief in das Weiße Haus Ernüchterung eingetreten. Etliche deutsche Journalisten beziehen nun kritische Positionen, allen voran der eigentlich transatlantisch geprägte SPIEGEL.

Doch in Washington kann man sich auch in schlechten Zeiten zumindest auf die Freunde von der Springerpresse verlassen, deren redaktioneller Kodex lautet: "Wir zeigen unsere Solidarität in der freiheitlichen Wertegemeinschaft mit den Vereinigten Staaten von Amerika"

So sorgt sich die BILD-Zeitung, welcher der 45. POTUS jüngst ein Exklusivinterview gewährt hatte, ausgerechnet um die Persönlichkeitsrechte des Herrn Donald. J. Trump und fragt, ob der SPIEGEL Trump mit einem ISIS-Schlächter vergleichen dürfe. Angesichts der Tatsache, dass Marines mit dem Kopf eines Afghanen Fußball spielten und Trump auf den Einsatz der Nuklearwaffen schielt, bewegt man sich mit solchen Vergleichen wohl eher auf dünnem moralischen Eis. BILD attestiert ausgerechnet dem SPIEGEL "Antiamerikanismus" und beBILDert dies mit einer Collage von unpatriotischen SPIEGEL-Covern. Vergessen ist offenbar, dass die Hamburger bislang noch jede US-Propaganda willig transportiert hatten.

Für die ebenfalls zur Springerpresse gehörende Zeitung DIE WELT "entwertet" der aktuelle SPIEGEL-Titel den Journalismus, man schwadroniert von "verrutschten moralischen Maßstäben". Offenbar huldigt man im Axel-Springer-Hochhaus nach wie vor hündisch jener Supermacht, die sich dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verweigert und sich einen Dreck um die UNO schert. Im Gegenteil hofieren die auf Geheiß springenden Axels in ihrem Turm ungeniert Kriegsverbrecher wie den Vietnamkrieger Henry Kissinger.

Die aktuelle Krise im deutsch-amerikanischen Verhältnis wäre eigentlich eine gute Gelegenheit für die Atlantik-Brücke, mit 49 Jahren Verspätung den kritischen Geist der 68er Bewegung auch in dieser Loge wehen zu lassen und den amerikanischen Freunden zu vermitteln. Stattdessen huldigt man dort unkritisch dem texanischen Rassisten und Nazi-Geschäftspartner John Jay McCloy, der als Hochkommissar nützliche Nazis vor dem Nürnberger Tribunal verschonte. Die höchste Auszeichnung der Atlantik-Brücke ist nach wie vor dem eiskalten Krieger General Vernon Walters gewidmet, der als stellvertretender CIA-Direktor blutige Staatsstreiche und rechtsgerichtete Diktaturen organisierte. Wer von moralischen Maßstäben doziert, sollte vielleicht erst einmal im eigenen Haus für Hygiene sorgen.

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