Strom: Hoher Export, hoher Eigenverbrauch

Bruttoproduktion hat 2015 deutlich zugelegt, so dass der Erfolg der Erneuerbaren verpufft. Ursache war der Export.

Nach dem neuesten Jahresbericht der AG Energiebilanzen (AGEB) hat der Energieverbrauch in Deutschland im vergangenen Jahr leicht zugenommen. Für die energiepolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen ist das Anlass für Kritik an der Bundesregierung.

Diese komme nicht voran. Bis 2020 wolle sie den Energieverbrauch gegenüber 2008 um 20 Prozent verringern. Nun sei mehr als die Hälfte der Zeit um und gerade einmal sechs Prozentpunkte Einsparung erreicht. Damit hinke die Bundesregierung ihrem eigenen Zeitplan hinterher.

Einzelne Highlights aus dem AGEB-Bericht: Hauptsächlich wegen des im Vergleich zu 2014 kühleren Wetters stieg der Erdgaseinsatz um fünf Prozent. Der Absatz von Benzin ging hingegen zurück, weil der Trend zu Diesel-PkW anhält. Offensichtlich lassen sich die Käufer von den Tricksereien der verschiedenen Herstellern nicht abschrecken.

Der Dieselabsatz legte jedenfalls deutlich zu, auch aufgrund des höheren Bedarfs der Bauwirtschaft, wie es im AGEB-Bericht heißt. Der seit einiger Zeit abnehmende Verbrauch von sogenannten Biokraftstoffen ging nochmals um sechs Prozent zurück.

In den Kraftwerken ging der Einsatz von Erdgas sowie Stein- und Braunkohle leicht zurück. Auch der Anteil der Atomkraft nahm ab, und zwar um sechs Prozent. Mitte 2015 war das AKW Grafenrheinfeld stillgelegt worden.

Aus einer Aufstellung über Stromproduktion, -verbrauch und -export geht hervor, dass die Bruttoproduktion um 24 Milliarden auf 651,8 Milliarden Kilowattstunden zugenommen hat. Davon gingen 51,8 Milliarden Kilowattstunden netto in den Export, was, wie bereits mehrfach berichtet, ein neuer Rekord war.

Bleibt also ein Bruttoinlandsverbrauch von 600 Milliarden Kilowattstunden. Aus dem Vergleich mit Angaben über den Inlandsverbrauch ergibt sich, dass davon lediglich 551,7 Milliarden Kilowattstunden bei den Verbrauchern ankamen. Der Rest, beachtliche 48,3 Milliarden Kilowattstunden oder die ungefähre Produktion von fünf AKW, ging im Netz verloren oder wurde zum größeren Teil in den Kohle- und Atomkraftwerken selbst verbraucht.

Der Nettoverbrauch (551,7 Milliarden Kilowattstunden) hatte übrigens 2015 gegenüber dem Vorjahr nur geringfügig zugelegt. Die deutliche Mehrproduktion war also vor allem dem Exportgeschäft geschuldet. Vor allem Polen, die Niederlande, Österreich und die Schweiz gehören zu den großen Abnehmern deutschen Stroms. Zum Teil handelt es sich dabei aber auch um Durchleitungen französischer Produktion.

Interessant ist der Vergleich der Erzeugung der erneuerbaren Energieträger mit der Nettoproduktion. Mit Windkraft, Fotovoltaik, Biomasse und dem biogenen Anteil des Hausmülls wurden 2015 195,9 Milliarden Kilowattstunden erzeugt. Das ist bereits ein Anteil von 35,5 Prozent am Nettoverbrauch.

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