Strom an der Börse immer billiger

Beim Verbraucher kommen jedoch von den sinkenden Großhandelspreisen nur die Nachteile an, nämlich die steigende EEG-Umlage

Die steigenden Strompreise entwickeln sich zum Dauerbrenner der politischen Debatte. Es hat mitunter den Eindruck, als solle den Verbrauchern etwas eingeredet werden. Die meisten Umfragen zeigen nämlich bisher, dass diese durchaus bereit wären, für eine Stromversorgung, die künftig auf erneuerbaren Energieträgern beruht, ein wenig mehr zu zahlen. Allerdings scheinen sich Gewerbetreibende inzwischen Sorgen zu machen, die anders als viele Großverbraucher in der Industrie nicht von der Umlage für den Strom aus Windkraft-, Solar- und Biogasanlagen ausgenommen sind.

Nun macht allerdings diese sogenannte EEG-Umlage nur einen kleineren Teil des Strompreises aus. Aktuell zahlen private Verbraucher im Schnitt 24,95 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) und Gewerbebetriebe 13,58 ct/kWh, die Umlage beträgt aber derzeit gerade 3,53 ct/kWh (siehe auch Ist der Strom zu teuer?).

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Vergrößern Schwarz: Baseload-Preis, Rot: Peakload-Preis jeweils in Euro rpo Megawattstunde. Geteilt durch zehn ergibt das den Preis in Cent pro Kilowattstunde Bild: EEX

Der Fachininformationsdienst IWR weist unterdessen darauf hin, dass die Umlage auch deshalb so gestiegen ist, weil sie aus den Differenzkosten zwischen Umlage und Börsenstrompreis gebildet wird. Die Preise am Spotmarkt der Leipziger Strombörse sind aber seit dem Winter auf Sinkflug. Der Grundlastpreis (Baseload) betrug nach IWR-Angaben im Juni 2012 im Schnitt 3,9 ct/kWh, während es im Juni 2011 noch 5,2 ct/kWh gewesen waren.

Auch der bisher teure Spitzenlaststrom (Peakload) wird immer billiger, weil seit dem starken Ausbau der Fotovoltaik tagsüber, also während der Hauptverbrauchszeit, nun meist reichlich Strom aus Solaranlagen anfällt. Im Junidurchschnitt kostete die Spitzenlast nur noch 5 ct/kWh, ein Jahr zuvor waren es noch 6,2 ct/kWh gewesen. In den Daten der Leipziger Strombörse, die in den beiden hier gezeigten Grafiken wiedergegeben sind, lässt sich die Preisabnahme ganz gut verfolgen. Etwas übersichtlicher ist eine Darstellung der Monatsmittelwerte der Base- und Peak-Preise seit 2002 in Udo Leuschners Energie-Chronik.

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Vergrößern Schwarz: Baseload-Preis, Rot: Peakload-Preis jeweils in Euro rpo Megawattstunde. Geteilt durch zehn ergibt das den Preis in Cent pro Kilowattstunde Bild: EEX

Am Strommarkt gehen Käufer und Verkäufer offensichtlich davon aus, dass die Strompreise auch in den nächsten Jahren tief bleiben werden. Geschäfte über Stromlieferungen in der Zukunft, sogenannte Futures, gehen für Juni 2013 von einem Preis von unter 5 ct/kWh aus. Auch eine Studie, die das Deutsche Institut der Wirtschaft im Auftrag von Greenpeace durchgeführt und Anfang der Woche vorgestellt hat, kommt zu dem Schluss, dass die Großhandelspreise in den nächsten Jahren trotz Atomausstieg nahezu auf dem heutigen Niveau verharren. Interessanterweise ergaben die Modellrechnungen auch, dass die Steigerung der Energieeffizienz, wie sie von der EU-Kommission per Verordnung vorangetrieben, aber von der Bundesregierung eher mit Argwohn betrachtet wird, den Preis drücken wird.

Wie dem auch sei, die niedrigen Großhandelspreise kommen bei Privatverbrauchern und auch bei den Gewerbekunden bisher nicht an. Stattdessen steigern sie aber die Umlage. Da wäre eigentlich mal die Frage zu stellen, ob die Bemessungsgrundlage der Umlage nicht verändert werden muss. Zum Beispiel könnte ja statt des aktuellen Börsenpreises der Durchschnitt der entsprechenden Monate in den drei vorhergehenden Jahren als Grundlage genommen werden. Im Herbst will die Bundesregierung das Erneuerbare Energiengesetz erneut novellieren lassen, um die Bedingungen für Biogasanlagen zu ändern. Vielleicht wäre das ja auch eine Gelegenheit, bei der EEG-Umlage endlich für ein bisschen mehr Gerechtigkeit zu sorgen.

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