Stromtrasse wird Kohlekraftwerke umgehen

Die neue Nord-Süd-Höchstspannungsleitung beginnt jetzt in Mecklenburg-Vorpommern anstatt in Sachsen-Anhalt - damit Windstrom und nicht Kohlestrom eingespeist wird. In Verbindung mit einer Anbindung der Offshore Kraftwerke kann Ökostrom dann 2022 den kompletten bisherigen Atomstromanteil in Bayern übernehmen.

Es hatte viel Wirbel um die Streckenführung der Höchstspannungsleitung von Bad Lauchstädt in Sachsen-Anhalt nach Meitingen bei Augsburg gegeben. Sie soll als eine der drei neuen Hauptverbindungen bis 2022 fertiggestellt sein, um Strom aus dem dünn besiedelten Norden in den Süden zu leiten. Doch zu offensichtlich war, dass der Bedarf für die neue Trasse nicht in erster Linie der Ableitung von Ökostrom dienen sollte - sondern den zur Zeit wegen der Befreiungen auf Hochtouren laufenden Kohlekraftwerken. Besonders in Thüringen und Bayern gab es deshalb heftigen Widerstand (Telepolis berichtete) gegen die bisherige Trassenführung.

Jetzt haben sich, nach den betroffenen Bundesländern, auch die Großkoalitionäre darauf geeinigt, den Trassenverlauf zu ändern. Sowohl der Anfangs- als auch der Endpunkt sollen neu festgelegt werden und dazu das Bundesbedarfsplangesetz noch einmal geändert werden. Denn besonders in Bayern befürchtete man, dass die Trasse vor allem Braunkohlestrom aus dem Osten in den Freistaat leiten sollte. Denn der Inbetriebnahmezeitpunkt 2022 stimmt genau mit dem Zeitpunkt des deutschen Atomausstiegs überein.

Im Moment macht Atomstrom immer noch mehr als 40 Prozent im bayerischen Strommix aus. Würde dieser Anteil dann durch Kohlestrom ersetzt, sähe es mit der CO2 Bilanz des bayerischen Strommix' dann auf einen Schlag sehr finster aus. Auf der anderen Seite liegt der Anteil an Ökostrom im Freistaat weit über 30 Prozent und eher soll der erhöht werden. Zwar soll es im eigenen Bundesland nicht mehr Windräder geben, aber eine Anbindung an die Windparks in Mecklenburg und Brandenburg würde ins Portfolio passen.

Mit dem neuen Startpunkt der Stromtrasse in Mecklenburg ist es dann auch nicht mehr weit zu den bereits vorhandenen und ungenutzten Fernleitungen des ehemaligen Kernkraftwerks Lubmin/Greifswald direkt an der Osseeküste. Die dort vorhandenen 380 kV*-Höchstspannungsleitungen werden seit dessen Stilllegung nicht mehr genutzt. Dabei sind allein vor der deutschen Ostseeküste 16 Offshore-Windkraftwerke geplant, bisher noch ohne Anbindung an Land.

In Verbindung mit der modifizierten Trassenführung nach Bayern eigentlich eine ideale Kombination um pünktlich 2022 den Atomstrom in Bayern ganz zu ersetzen. Nach der Verabschiedung des neuen EEG sind die Offshore Investoren ohnehin wieder guter Dinge. Letzten Donnerstag schrieben der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und der Bundesverband Windenergie (BWE) die Bundesverbände dazu, die Risiken für Investoren seien mit der Reform der Ökostrom-Förderung deutlich gesunken, "Das neue EEG schafft Planungssicherheit auch für die zweite Ausbaustufe bis 2020".

Der Stimmungswandel in der Offshore-Branche zeigt sich bereits in den aktuellen Anschlusszahlen. Im ersten Halbjahr 2014 wurden nach Angaben der Verbände vor den deutschen Küsten 126 Offshore-Windkraftanlagen mit einer Leistung von insgesamt 543 Megawatt (MW) errichtet. Insgesamt sind damit die ersten 146 Offshore-Anlagen mit 628 MW am Netz.

* danke an den aufmerksamen Leser !

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