zurück zum Artikel

Suchen was nicht da ist

Wenn Apps Daten sammeln, dann kann man noch so viel mit Passwörtern arbeiten, man bleibt transparent. Und dabei soll man manche Passwörter gar nicht mehr nutzen

Google ist sich da ziemlich sicher. Passwörter sind ein Übel des Internets, zumindest meint das Marc Risher, der firmeneigene Senior Director for Account Security [1]. Man muss da schon ein wenig präziser sein, einverstanden. Es geht Herrn Risher vor allem darum, dass viel Passwörter einfach überall und immer wieder genutzt werden. Einmal abgesehen davon, aber das sagt er nicht ausdrücklich, dass "Password1234" oder "Ehefrau2020" leicht zu erraten sind. 13 Prozent aller Nutzer haben nur eines für alle Log-ins.

"Früher hatten wir ja nüscht", gilt hier nicht, aber es ist eben bequemer, sich nur an den Spitznamen seines Hundes zu erinnern als etwa das Passwort Checkup Feature für Gmail Accounts zu nutzen und sich brav von einer Wiederverwertung fern zu halten.

Dabei ist das doch eh egal. Irgendwie. Zum Beispiel wenn man die Trump 2020 App nutzt, um wundervolle Dinge des Noch-Präsidenten aus seinem epochalen Wahlkampf mituzbekommen und sich vielleicht wieder Karten für eine Abendveranstaltung mit dem zunehmend krawattenlosen Herren zu buchen. Die App ist leider so gar nicht der Ethik verpflichtet, die der 45. POTUS gerne vorlebt. [2] Einmal eingeloggt verliert man sich an den Herren. Zum Beispiel in der Form der Device ID und den Bluetooth Pairing Informationen, die es auch ermöglichen sollen, "Geo-Propaganda" zu betreiben. Also zum Beispiel in der Form von "Hey, wo seid Ihr denn alle, der Präsident ist gerade in Tulsa auf die Bühne gegangen und ist ein wenig einsam auf der Bühne".

Oder so. Alles natürlich ganz harmlos. Bis die Daten die kleine, feine Grenze zwischen Trump-Kampagne und Trump-Staat überschreitet und Daten aus der App gegen die eigenen Bürger eingesetzt werden. Ein Noch-Präsident, der Besetzern Gewalt via Twitter androht (und dessen Androhung deshalb von Twitter hinter eine digitale Wand gesetzt wird [3]), wird natürlich nicht im Traum daran denken, Daten hier irgendwann einmal gegen Menschen einzusetzen. Nie im Leben. Schließlich hat sich seine Frau Melania klar gegen Cybermobbing verschrieben und wird bei solchen Ideen schnell die Augenbraue heben. Klappt ja schon immens gut.

Aber vielleicht mache ich mir auch vollkommen zu Unrecht Sorgen. Schließlich können in einer Welt, in der heute mal eben 1.9 Milliarden USD auf den Philippinen verschwinden [4], sich auch ganze Datenbanken in Luft auflösen und das Problem damit galant in einer anderen Art und Weise lösen. Deshalb wird es ja auch kein Problem sein, wenn man immer das gleiche Passwort benutzt, denn vielleicht verschwinden ja bald auch die Websites, auf die man sich einloggen will.

Ich gebe zu, im Augenblick hoffe ich erst einmal, dass mit dem 3. November dieser Donald Trump als Präsident verschwindet und sich nur noch in privaten Email-Accounts anmeldet. Vielleicht verschwindet dann auch die App und so vieles mehr aus der Welt. Man kann ja auch mal Glück haben, es ist nicht alles Wirecard in diesen Tagen.


URL dieses Artikels:
https://www.heise.de/-4793481

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.theverge.com/2020/6/23/21299007/google-password-checkup-security
[2] https://decrypt.co/33122/trump-2020-app-user-data
[3] https://www.heise.de/news/Twitter-versteckt-erneut-Trump-Tweet-hinter-Warnhinweis-4793433.html
[4] https://apnews.com/9589d524c50766d557de61cd5a6cdd33