Süßstoffe im Trinkwasser

Kläranlagen filtern den Zuckerersatz nicht vollständig

Die möglichen Gesundheitsrisiken von synthetischen Süßstoffen sind seit langer Zeit Gegenstand der Diskussion. Durch die Verwendung eines neuen Analyseverfahrens konnten Wissenschaftler vom Technologiezentrum Wasser in Karlsruhe zum ersten mal nachweisen, dass eine Vielzahl von häufig verwendeten synthetischen Süßstoffen im deutschen Abwasser und Oberflächenwasser enthalten ist. Marco Scheurer, Heinz-Jürgen Brauch und Frank Thomas Lange nahmen Wasserproben aus zwei Kläranlagen in Deutschland – Eggenstein-Leopoldshafen und Karlsruhe – sowie aus einer Aufbereitungsanlage für gereinigtes Abwasser eines Mittelmeerlandes. Sie untersuchten die Wasserproben mit Hilfe eines neuen Analyseverfahrens und konnten vier (Acesulfam, Saccharin, Cyclamat und Sucralose) Süßstoffe im Wasser der beiden deutschen Kläranlagen nachweisen. Dadurch wird belegt, dass die Schadstoffe während der Abwasserbehandlung nur unzureichend eliminiert werden. Die Studie wird diese Woche in der Fachzeitschrift Analytical and Bioanalytical Chemistry veröffentlicht.

Eine Reihe synthetischer Süßstoffe werden häufig in Nahrungsmitteln und Getränken sowie in Arzneimitteln und Hygieneartikeln verwendet. Durch die Analyse lässt sich nun nachweisen, dass Bäche und Flüsse, in die Wasser aus den Kläranlagen fließt, mit diesen Schadstoffen verunreinigt werden.

Die Autoren verglichen zudem die herkömmliche Abwasserbehandlung mit einer weitergehenden Abwasseraufbereitung zum Zwecke der Abwasserwiederverwendung. Spuren synthetischer Süßstoffe waren in beiden Fällen vorhanden, die Wasserreinigung ist demnach unzureichende. Marco Scheurer kommt zu dem Schluss: "Die Verwendung von synthetischen Süßstoffen in Nahrungsmitteln und ihr Vorkommen im Wasser können zu einem zentralen Thema für die Verbraucher werden."

Wie immer man zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Süßstoffen steht: Die Analyseverfahren werden immer sensibler, weitere Erkenntnisse zur ubiquitären Verbreitung aller möglichen Moleküle und Elemente sind daher zu erwarten, die Kreisläufe der Natur werden sichtbarer. Zukünftig darf darüber gestritten werden, welche Stoffe der Körper in wie weit ansammelt und welche Risiken das birgt.

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