Supergrid durch die Nordsee geplant

Ökostromnetz soll Windparks, Tieden- und Wellenkraftwerke mit Pumpspeichern verbinden

Neun europäische Staaten planen den Bau eines Ökostromnetzes in der Nordsee. Das verabredeten Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, Dänemark, die Niederlande, Irland, Luxemburg und Norwegen unter dem Projektnamen " North Seas Countries' Offshore Grid Initiative". Noch sind keine Verträge unterschrieben, aber ein Treffen der nationalen Koordinatoren (für Deutschland ist das das Bundeswirtschaftsministerium) wird am 9. Februar stattfinden. Bis Herbst 2010 sollen dann die Absichtserklärungen von den Ministerien unterzeichnet sein und ein konkreter Zeitplan feststehen. Das Stromnetz auf dem Meeresgrund soll dann bis zum Ende dieses Jahrzehnts entstehen. Einen ersten Prototypen für das zukünftige Gleichstromnetz gibt es bereits. Das mit 580 km bisher längste Unterseestromkabel verbindet die Niederlande mit Norwegen. Es ermöglicht den Niederlanden Wasserkraftstrom zu importieren und zeitweise überschüssigen Windstrom in Norwegens Pumpspeicherstauseen zwischenzuspeichern.

Nach dem gleichen Prinzip, nur vernetzter, soll auch das neue Supergrid funktionieren: Die Erzeuger von fluktuierendem Strom aus Erneuerbaren können so den Strom besser verteilen und über die Anbindung an Norwegen als Wasserkraft puffern. Die Vernetzung macht die regenerative Stromversorgung zuverlässiger durch den räumlichen und zeitlichen Ausgleich und könnte so noch schneller als gedacht herkömmliche fossile Kraftwerke obsolet machen. Nach den bisherigen Absprachen sollen u.a. die bisherigen Kraftwerks- und Netzbetreiber verpflichtet werden, das neue Netz aufzubauen. Das Projekt soll - wie auch für desertec geplant - zum Großteil die Wirtschaft finanzieren. Dafür bietet es den Energiekonzernen die Chance zum prestigeträchtigen Systemwechsel. Den Umfang eines Nordsee-Supergrids sieht Greenpeace in seiner Studie " North sea electricity grid" bei 6200 km Länge. Der Investitionsbedarf soll bei 30 Mrd. liegen.

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