Syrien am Wendepunkt?

Das Regime geht mit brutalen Mitteln gegen Demonstranten vor, auch gestern kam es zu Toten, doch scheint die Angst der Syrer vor Bashars Sicherheitsapparat zu schwinden

In Damaskus forderten bereits einige den Sturz des Regimes, so ein Augenzeuge aus der syrischen Hauptstadt, wo am gestrigen "Freitag der Würde" Demonstrationen gegen die Regierung von Bashar al-Assad stattfanden. Das Regime hatte seinerseits eine Gegendemonstration mobilisiert. "Bis kurz vor der Morgenpredigt um 4 Uhr zogen Tausende bezahlte oder mit Gefängnis bedrohte Anhänger hupend, jaulend und mit Lobgesängen durch die Strassen. Sie forcierten Taxis und Microbusse anzuhalten und drückten den Passagieren Bilder vom geliebten Führer in die Hand, damit sie sie aus den Fenstern schwenken."

Gegen die Regierung wurde auch in der anderen großen Stadt Syriens, Aleppo demonstriert, größere Demonstrationen gab es in Homs, Hama, Tel. Latakia und in der Umgebeung von Daraa, wo es in der vergangenen Woche zu einem Massaker gekommen war, als Sicherheitskräfte auf Demonstranten geschossen hatten; Amnesty spricht in diesem Zusammenhang von 55 Toten, andere Quellen gehen von höheren Schätzungen aus (siehe Syrien: extrem angespannte Stimmung).

Laut Guardian soll es auch bei Auseinandersetzungen von Demonstranten und Sicherheitskräften zu mindestens 23 Toten gekommen sein. Für Regimekritiker, welche die britischen Zeitung zitiert, offenbart sich darin auch die Schwäche: "Regimes werden wirklich schwach, wenn sie nach außen nur ein brutales Image zeigen." Beobachter sprechen davon, dass sich ein Phänomen zeige, das bei den Revolten in Tunesien und Ägypten als wichtige Schwellenüberschreitung galt: das Schwinden der Furcht, die alles unter Kontrolle hielt. Hier habe sich nach Angaben von Augenzeugen und Beobachtern in Syrien Entscheidendes getan, washalb manche von einem Wendepunkt sprechen.

Vor wenigen Wochen noch hätte man eine Revolution in Syrien für unmöglich gehalten, das Regime hatte keine Mühe die Keime zu einer "Facebook-Revolution" zu ersticken. Jetzt scheint alles möglich, auch über einen möglichen Bürgerkrieg wird in Damaskus spekuliert.