Syrische Kurden kontrollieren angeblich den kurdischen Teil des Landes

Wegen der Kämpfe in Damaskus haben sich die syrischen Truppen zurückgezogen, in der Türkei und in der Freien Syrischen Armee ist man wege der separatistischen Tendenzen beunruhigt

Die türkische Regierung hat sich ganz hinter die syrische Opposition gestellt. Sie fordert den Rücktritt von Präsident Assad und seinem Regime und unterstützt auch den bewaffneten Kampf gegen die syrischen Sicherheitskräfte. Allerdings tauchen nun Probleme auf, wenn die Macht der Zentralregierung ins Bröseln gerät, die mit Gewalt und Repression die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen zusammengehalten hat.

Die Türkei führt einen Krieg gegen die PKK, die aus dem Irak für einen unabhängigen kurdischen Staat kämpft. Kurdistan erstreckt sich nicht nur über die Türkei und den Irak, sondern auch über den Iran und Syrien. Bislang haben sich die Kurden aus Syrien eingereiht in die Oppositionsbewegung, aber nachdem syrische Kurden Städte an der türkischen Grenze eingenommen haben und kontrollieren, wächst die Sorgen in der Türkei, dass ähnlich wie in den kurdischen Gebieten im Irak die PKK auch in Syrien ein Rückzugsgebiet finden könnte.

Die Lage ist jedenfalls unübersichtlich. Es gibt Berichte, dass bereits um die 2000 PKK-Kämpfer nach Syrien gekommen seien, andere berichten davon, dass die Kurden im Irak Peshmerga-Einheiten in den Irak gesendet haben. Das wird aber von der Präsidentschaft des kurdischen Gebiet im Irak abgestritten. Barsani, der Präsident der Autonomen Region von Kurdistan im Irak bestätigte allerdings, dass Syrer trainiert wurden. Sie seien aber noch nicht nach Syrien zurückgegangen. Nach Medienberichten sollen aus dem Irak Kurden nach Syrien gekommen sein, die aus der syrischen Armee desertiert waren und sich dem Aufstand anschlossen. Sie sollen im irakischen Kurdistan ausgebildet worden sein. Hürriyet spricht mit Verweis auf ein Video von "Tausenden von kurdischen Soldaten" Von kurdischer Seite wird gemunkelt, Assad habe PKK-Kämpfer ins Land geholt, um von dort aus gegen die Türkei zu kämpfen.

Die Kurden waren bis vor kurzem uneins, was die Haltung zum Assad-Regime oder zur Opposition betrifft. Die Partiya Yekitîya Demokrat (PYD - Partei Demokratische Union) steht der PKK nahe, we-clearly-and-openly-condemn-the-baath-authoritarian-ruler-and-we-call-for-the-fall-of-this-mono-ba&catid=34:news&Itemid=53: fordert auch das Ende des Assad-Regimes, aber hat sich nicht mit der Opposition verbündet, weil man gegen jede Intervention von außen ist, natürlich vor allem von der Türkei. Und weil die türkische Regierung den Syrischen Nationalrat beeinflusse, lehnt man diesen ab. Der Kurdische Nationalrat (KNC) ist mit dem Syrischen Nationalrat verbunden, allerdings kam es bei dem Treffen zu Beginn des Monats in Kairo zu einem Zerwürfnis, weil die syrische Opposition einen unabhängigen kurdischen Staat nicht anerkennen wollte. Allerdings haben sich PYD und KNC mit der Hilfe von Massoud Barzani, dem Vorsitzenden der Demokratischen Partei Kurdistans und Präsident der Autonomen Region Kurdistan im Irak, am 11. Juni während eines Treffens vereint, um die kurdischen Regionen in Syrien zu verwalten, dabei aber von der Opposition und dem Regime unabhängig zu bleiben. Ein Hilfsangebot der Freien Syrischen Armee wurde zurückgewiesen.

Nach Berichten verfolgen die Kurden eine eigene Strategie des zivilen Widerstands, durch die es gelungen sei, dass die syrischen Streitkräfte sich aus weiteren 6 kurdischen Städten zurückgezogen hätten, so dass nun die gesamte Region in kurdischer Hand sei und vor allem von der PYD kontrollierte werde. Man tue alles, um keine Waffen gebrauchen zu müssen. Die Kurden hoffen, zumindest ein autonomes kurdisches Gebiet im Nordosten Syriens erhalten zu können. Allerdings dürfte der Rückzug der syrischen Truppen eher mit den Kämpfen in Damaskus und Aleppo zu tun gehabt haben.

Die Freie Syrische Armee versucht, den kurdischen Separatismus eher herunterzuspielen. Der stellvertretende Führer der FSA, Malik al-Kurdi, sagte in einem Interview, die PYD sei unpopulär wegen ihrer Assad-Nähe. Die FSA würde aber jeden Versuch stoppen, einen eigenen kurdischen Staat zu errichten. An der Spitze des oppositionellen Syrischen Nationalrats steht seit kurzem der syrische Kurde Abdulbaset Sieda, der erklärte, dass die Kurden auf der Seite der Revolution stünden. Man habe angeordnet, was allerdings nicht viel heißt, dass nur die syrische Flagge in Syrien gehisst werden kann. Auch Sieda äußert die Vermutung, dass das syrische Regime absichtlich Gebiete der PYD überlassen habe, blendet dabei aber deren Zusammenarbeit mit dem KNC aus. Die Kurden sind jedenfalls eingezwängt zwischen den türkischen Interessen und denen der Freien Syrischen Armee und des Assad-Regimes. Die türkischen Truppen entlang der Grenze zu Syrien wurden noch einmal verstärkt. Gestern warnte der türkische Regierungschef Erdogan noch einmal, dass die türkischen Truppen zurückschlagen werden, wenn es eine weitere Provokation gebe.

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