Tatort Fernsehen

RTL sendete reale Gewalthandlungen gegen ein fünfjähriges Kind

Aus dem neuen Bericht der Kommission für den Jugendmedienschutz (KJM) geht hervor, dass die Stelle im ersten Quartal 2011 insgesamt 12 Mal gegen Privatsender und 20 Mal gegen "Telemedien" vorging. Einen besonders eindrucksvollen Fall produzierte der Fernsehsender RTL: In der als Lebenshilfe-Format verkauften Sendereihe "Die Super Nanny" sendete er laut KJM um 20 Uhr 15 "das psychisch und physisch gewalttätige Verhalten einer Mutter gegenüber ihren zwei- und fünfjährigen Mädchen":

Vor laufender Kamera wird gezeigt, wie die Mutter ihre fünfjährige Tochter anschreit, ihr mit Schlägen droht, sie ignoriert und sie schließlich schlägt – ohne dass das Kamerateam eingreift. Diese problematischen Szenen werden insgesamt dreimal gezeigt, unter anderem auch in einem Teaser zur Sendung, dessen Zweck es ist, möglichst viele Zuschauer zu generieren.

Dadurch wurde das Kind der KJM zufolge "in seinem sozialen Achtungsanspruch verletzt und zum Objekt der Zurschaustellung degradiert" weshalb die Doku-Soap-Folge einen Verstoß gegen die Menschenwürde darstellt. Einen Entzug der Sendelizenz bedeutet dies für den zum Bertelsmann-Imperium gehörigen Sender allerdings nicht.