Taylor Swift, Schutzheilige der Kunst für einen Tag

Geschichten, wie sie garantiert nicht das Leben schreibt, sondern nur die Pop-Kultur

US-Schlagersternchen Taylor Swift hat es also dem Silikon-Goliath Apple so richtig gezeigt. Wie? Apple, die reichste Firma dieses Planeten, will ja diese neue Beats-Streaming-Plattform zum Erfolg pushen, und bietet Künstlern den Deal an, von Anfang an dabei zu sein, aber für die ersten drei Monate kein Geld zu bekommen, weil das Streaming für die Nutzer in diesen drei ersten Monaten auch kostenlos sei. Man muss aber nicht mitmachen. Oder tut es erst später.

Nicht so entspannt sieht das Taylor Swift, die sich auf ihrem persönlichen Tumblr beschwert, das ginge so nicht: “To Apple, Love Taylor”. Was macht Apple? Sichert ihr zu, dass sie auch in der Einführungsphase bezahlt wird, dann eben direkt aus den Geldspeichern in Cupertino. Prompt wird sie von der Presse als Heldin des digitalen Zeitalters und mächtigste Frau der Tech-Industrie gefeiert, man tuschelt über eine Zukunft im Weissen Haus.

Inzwischen dürfen die Truther nicht fehlen, Verschwörungstheoretiker, die hinter allem irgendwelche finstere Machenschaften vermuten und damit bestürzend oft recht haben. Hier tönt es unisono, die Sache sei ein abgekartetes Spiel, und Apple habe bedeutende Summen an Taylor berappt, um diese Promonummer abzuwickeln, bei der alle am Ende besser dastehen als vorher.

Winziges Problem: Kurze Zeit später meldet sich, ebenfalls in diesem Internet, der selbständige Fotograf Jason Sheldon und erklärt, Taylor solle sich bitte an ihre eigenen hohen Standards halten. Auch dann, wenn es um die gerechte Bezahlung anderer Kreativer geht. Und veröffentlicht die Verträge, die man als Fotograf unterschreiben muss, damit man überhaupt bei Taylors Konzerten knipsen darf. Da steht zum Beispiel drin, dass man sein Foto nur ein einziges Mal veröffentlichen darf (keine Mehrfachnutzung, die für Kreative eigentlich erst die Butter aufs Brot bringt), Taylor (bzw ihr Management) dagegen frei über die Pics verfügen darf. Wer wird hier angemessen bezahlt? Fotografen ja wohl nicht.

Hola. Da hat Jason wohl recht, und Taylor hat sich blamiert. Wir warten jetzt darauf, dass die Weltpresse das auch mitkriegt und Fräulein Swift die Krone der galaktischen Kulturkönigin wieder vom Haupt reisst. In der bitteren Realität des frühen 21sten Jahrhunderts hat Taylor nämlich nicht für die Rechte der Kulturschaffenden und gegen gesichtslos-graue Konzerne gekämpft, sondern nur für mehr eigene Einnahmen. Gerne auch auf Kosten aller anderen Erdbewohner. Keine heilige Johannan von den Schlachthöfen der Gegenwartskultur, sondern bestenfalls ein kurzer Tanz um die Schlachtplatte.

Selbst wenn man sich an die harten Fakten hält. Was bleibt übrig? Ein Häufchen künstlicher Erregung und die zögerliche Erkenntnis, dass die Kreativ-Branche nach diesem Blooper eines Pop-Starlets genauso kaputt ist wie davor. Ausser, es wird noch was mit der Copyrightreform, damit der Künstler nicht länger der Wolf des anderen Künstlers sein muss, so wie hier, mit Taylor und Jason und den anderen.