"Tod dem König"

Bahrain: Nach dem maßlosen, brutalen Einsatz von Polizeikräften gegen Demonstranten eskaliert die Lage; die USA sind in Manövrierschwierigkeiten

Von mindestens sechs Toten und möglicherweise einigen mehr, die unter denen zu finden sind, die seit dem "schwarzen Donnerstag" verschwunden sind, schreibt die unabhängige, unkorrumpierte und menschenfreundliche Stimme Bahrains, "Blogfather" Mahmood, ein ehemaliger Flugzeugingenieur, der seit 2001 bloggt, was ihn bereits hinter Gitter gebracht hat. Bahrains Führung lebt in einem vergangenen Zeitalter, mit Opposition kommt man nicht klar. Auf äußerst brutale Weise hat dies der Sicherheitsapparat von Hamad bin Isa al-Khalifa in den letzten Tagen der ganzen Welt gezeigt.

Die "Riot Police" hat einen alten Gentleman, der schlichten wollte, niedergeschossen, so Mahmood, der die menschliche Perspektive beibehält, die Namen der Toten nennt und den Wahnsinn formuliert, der hinter den Nachrichten steckt, die von einer Eskalation in Bahrain berichten, von 230 Verletzten, von Panzern und Militärcheckpoints in Manama, von der brutalen Räumung der Demonstranten, für welche die Regierung nur die üblichen Phrasen übrig hat.

So wird der bahrainische Außenminister mit den Worten zitiert, das Vorgehen sei nötig gewesen, weil die Demonstranten das Land polarisieren würden und es an den Rand konfessioneller Konflikte gebracht hätten. Man habe den Platz im Zentrum Manamas um 3 Uhr morgens geräumt, um das Risiko von Toten oder Verletzten zu minimieren. Die meisten Demonstranten hätten um diese Zeit geschlafen, so der Guardian-Bericht. Sie seien nicht ausreichend gewarnt worden. Aus alldem lässt sich klar herauslesen, dass es der Apparat darauf abgesehen hatte, mit "Shock and Awe" brutal durchzugreifen. Und damit hat der Protest eine Wende genommen, jetzt fordern die Demonstranten, dass der König abdankt.

"Wir wollten ursprünglich nur, dass der Premierminister zurücktritt, aber jetzt fordern wir, dass die königliche Familie verschwindet."

Manche gehen noch weiter und fordern den Tod des Königs.

Vor dem Eingreifen der Staatsgewalt am Donnerstagmorgen, so Mahmood, war die Stimmung auf dem Platz entspannt: "People were jovial, happy and most certainly peaceful.´" Und die Forderungen der Demonstranten noch gemäßigt:

Bilateral Constitutional amendments which are binding to address the contentious current Constitution of 2002
The immediate release of political prisoners, some 450 are incarcerated many of whom are children under 18 years of age
Release and increase press freedoms, repeal Law 47/2002
Guard and increase personal freedoms and freedoms of expression
Investigate corruption and return stolen wealth into the state coffers
Repeal Law 56/2002 and bring torturers to justice

Ist da eine einzige Forderung darunter, die unvernünftig ist, fragt der Blogger, unterscheiden sie sich von Sehnsüchten und Ansprüchen irgendeines Menschen? Aber statt es mit Dialog zu versuchen, reagierte die Regierung mit tödlicher Gewalt, als ob die Forderungen eine Beleidigung für die Königsfamilie sei:

"Why? Is this not the celebrated 'modern country' that prides itself as being 'business friendly'? How can it be business friendly if it’s hostile to its own citizens?"

Wie wird die USA raegieren? Es steht einiges auf dem Spiel Bahrain ist, was den Konflikt mit Iran betrifft, strategisch äußerst wichtig. Nicht zufällig hat man dort einen Marine-Stützpunkt, der vom König zur Verfügung gestellt wird. Die Schiiten sind mit 70prozentiger Mehrheit im Land ein wichtiger Faktor der Opposition. Und im benachbarten Saudi-Arabien sind just in den Gebieten mit großen Erdölvorkommen auch die Schiiten in der Mehrheit.

"Wir sind tief besorgt über die Aktionen der Sicherheitskräfte", sagte Außenministerin Clinton. Das ägyptische Dilemma wiederholt sich, kommentiert die New York Times.

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