Torschlusspanik

In Großbritannien wird gewarnt, dass der Konsumrausch zum Jahresende zur Verödung der Einkaufszonen führen könnte.

Gegenwärtig scheint die Maxime des guten, also systemstabilisierenden Handelns zu sein, möglichst viel zu konsumieren. Wer kauft, dient der Gesellschaft oder deren Wirtschaftssystem, das gilt auch für Vorschläge, wie die Konsumkraft der Menschen verbessert werden kann. Egal was, Hauptsache, der Laden läuft, und Morgen ist ein anderer Tag. Das ist Panik, vor allem eine Panik, die nichts besser macht, denn der bedingungslose Konsum, das Leben auf Pump, das Schwelgen in hohen Renditen, hat schließlich die Krise hervorgebracht.

Anstatt einmal aufgrund der Krise zu überlegen, wie ein anhaltendes Wirtschaften, auch ohne ständige Steigerungen, möglich sein könnte, wird auf das "Weiter-so" gesetzt, wohl wissend, dass der nächste Crash nicht weit sein dürfte. Man darf vermuten, dass die Illusion des endlosen Fortschritts und Wirtschaftswachstums auch deswegen aufrecht erhalten werden muss, weil dies das System stabilisiert. Schließlich hat ja jeder prinzipiell die Chance, am Wohlstand teilzuhaben. Die Menschen spielen auch Lotto, was auch nichts anderes ist.

Dass der Konsum kein Allheilmittel ist, lässt sich im Augenblick in Großbritannien sehen. Hier haben die Geschäfte im Weihnachtsbusiness angesichts der anrollenden Krise eine Preisschlacht gestartet, um die Waren noch an die zögernden Kunden los zu werden. Bis zu 90 Prozent fielen die Preise. Die Torschlusspanik zum Jahresende dürfte aber nicht den weiterem Niedergang verhindern.

Die Menschen standen Schlange, um die besten Schnäppchen zu erhalten und die Preise auszuhandeln. Woolworth muss trotzdem ein Viertel seiner Häuser schließen, andere Ketten folgen oder sind bereits gefolgt, die Preise sollen weiter fallen, die Verluste steigen. Ende des nächsten Monats dürfte jedes zehnte Geschäft in den Einkaufsstraßen der Städte leer stehen, wird gewarnt. Die Schulden der Geschäfte und Ketten steigen, die Gewinne sinken. Das Problem ist, dass beispielsweise die Größe der Woolworth-Geschäfte, die schließen werden, verhindert, dass neue Händler diese übernehmen. Die Einkaufsstraßen werden also schäbiger und leerer werden, ein bisschen mehr Ostdeutschland wird einziehen, die Preise für Immobilien sinken. Journalisten beschwören bereits aussterbende Stadtzentren nach dem Sturm auf die billigen Waren zu Weihnachten.