Trauergemeinde im Jemen offenbar von US-Bomben getroffen

Bilder vom Ort des Geschehens sollen Verwendung der ferngelenkten MK-82-Bombe zeigen. Auch Deutschland lieferte Lenkwaffen nach Riad

Im Jemen sind nach einem der blutigsten Luftangriffe Saudi-Arabiens mit rund 140 Toten und über 500 zum Teil schwer Verletzten offenbar Teile von ferngelenkten Bomben aus US-amerikanischer Produktion gefunden worden. Die Bombardierung einer Trauergesellschaft war einer der bislang folgenschwersten Angriffe im Zuge des seit eineinhalb Jahren andauernden Krieges der Saudi-Diktatur gegen die schiitische Huthi-Bewegung im Nachbarland.

Vor wenigen Tagen hatten offenbar Flugzeuge der saudischen Luftwaffe ein Gemeindezentrum in Sanaa angegriffen. Dort waren Berichten lokaler Medien zufolge tausende Menschen zur Trauerfeier für Scheich Ali al-Rawishan zusammengekommen, dem Vater des von den Rebellen benannten Innenministers. Ein Flugzeug habe das Gebäude mit der Trauergemeinschaft vier Mal in Folge attackiert, zitiert das Online-Portal The Intercept Zeugen vor Ort. Ein örtlicher Helfer habe nach der Bombardierung von einem "See aus Blut" berichtet.

The Intercept dokumentiert Aufnahmen, die vom Ort des Angriffs stammen und Teile von ferngelenkten MK-82-Bomben aus US-amerikanischer Produktion zeigen sollen. Auf einem der Fragmente aus den Trümmern ist zu lesen: "FOR USE ON MK-82 FIN, GUIDED BOMB".

Vor Ort hatte auch der Korrespondent des britischen Fernsehsenders ITV, Neil Connery, wohl ein Bauteil der US-Lenkwaffe gefunden. Ein jemenitischer Funktionär habe ihn darauf hingewiesen, dass das Bauteil offenbar zu einer MK-82-Bombe gehöre.
Bei der ferngelenkten Waffe handelt es sich um eine 500-Pfund-Bombe aus den USA. Der Code "96214" auf einem mutmaßlich aus den Trümmern in Sanaa stammenden Fragment lässt auf eine Waffe aus der Produktion des Rüstungskonzerns Raytheon schließen.

Die saudi-arabische Diktatur führt seit März vergangenen Jahres Angriffe auf Ziele im Jemen durch. Sie reagierte damit au den Sturz des von Riad und Washington unterstützen Machthabers Abed Rabbo Mansur Hadi. In den vergangenen Monaten hatte es wiederholt Vorwürfe gegeben, die saudische Luftwaffe fliege Angriffe auf zivile Ziele.

Dessen ungeachtet haben die USA das saudi-arabische Regime seit Beginn der Angriffe auf den Jemen mit Rüstungsgütern im Wert von 20 Milliarden US-Dollar unterstützt. Diesen Monat habe die US-Regierung den Verkauf von über 8.000 MK-82-Bomben gestattet. Aber auch die deutsche Bundesregierung hat nach Beginn der Angriffe vergleichbare Waffen nach Riad verkauft. Auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion führte die Bundesregierung im Mai 2015 mehrere entsprechende Posten auf, darunter die Luft-Luft-Rakete IRIS-T.

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