Treibhaus: UN-Klimakonferenz in Bonn

(Bild: Logo der 23. UN-Klimakonferenz vom 6. bis 17. November in Bonn unter Präsidentschaft der Fidschis. Gemeinfrei )

Vertreter von 168 Regierungen beraten für zwei Wochen am Rhein über Klimaschutz und die Zukunft des Pariser Übereinkommens von 2015

Am heutigen Montag beginnt in Bonn die diesjährige UN-Klimakonferenz. Einlader ist die Republik Fidschi. Da der Inselstaat sehr abgelegen ist und mit seinen lediglich knapp 900.000 Einwohnern nicht über die notwendige Infrastruktur für eine Konferenz mit 20.000 oder mehr Delegierten, Journalisten und Beobachtern verfügt, tagt man in diesem Jahr am Sitz des Sekretariats der UN-Klimaschutzrahmenkonvention. Letzteres wurde bereits vor rund 20 Jahren in der einstigen Bundeshauptstadt eingerichtet.

Die jährlich stattfindenden Treffen auf Regierungsebene sind zum einen Konferenzen der Vertragsstaaten der 1994 in Kraft getretenen Konvention als auch seit neuestem Treffen der Vertragsstaaten der Übereinkunft von Paris. Die Konvention wurde von 196 Staaten sowie der EU ratifiziert, der 2015 abgeschlossene Pariser Vertrag bisher bereits von 168 Staaten plus EU.

Die Schnittmenge in der Mitgliedschaft ist also groß, aber nicht alle Staaten haben sich bisher dem 2015 in der französischen Hauptstadt verabschiedeten lockeren Vertrag angeschlossen. Im Vorfeld der Konferenz hatte es, wie berichtet, am Samstag in Bonn internationale Massenproteste für den schnellen Ausstieg aus der Kohle gegeben.

Ziel: Ein tragfähiger Vertragsentwurf

Auf der Tagesordnung der bis zum 17.11. tagenden Konferenz stehen zum einen die Ausführungsbestimmungen für die einzelnen Verabredungen des Pariser Vertrages. Dieser, der eher eine technische Verabredung als ein vollwertiges Abkommen ist, basiert auf Selbstverpflichtungen der Mitgliedsstaaten, die alle fünf Jahre neu ausgehandelt und eingereicht werden müssen.

Außerdem sollen diese regelmäßig auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Messlatte ist dabei das vertraglich fixierte Ziel, die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu halten, und in den nächsten Jahren zu überprüfen, ob diese Schwelle nicht sogar auf 1,5 Grad Celsius abgesenkt werden muss.

Technisch geht es in der Summe vor allem darum für die genannten Punkte einen möglichst tragfähigen Vertragsentwurf zu erarbeiten, der dann bis zur nächsten Konferenz in einem Jahr zur Unterschriftsreife gebracht werden kann. Die erste Überprüfungsrunde soll bereits auf diesem nächsten Treffen stattfinden, insofern wird es höchste Zeit, dass dafür ein verbindlicher Rahmen geschaffen wird.

Das Ergebnis der Überprüfung steht schon fest

Davon abgesehen steht das Ergebnis der Überprüfung schon jetzt fest. Wie berichtet, hatte das UN-Umweltprogramm UNEP letzte Woche darauf hingewiesen, dass die globale Erwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts eher rund drei Grad Celsius betragen wird, wenn lediglich die bisher eingegangenen Verpflichtung zur Reduktion oder Begrenzung der Treibhausgase umgesetzt werden.

Die Temperaturangaben beziehen sich jeweils auf die Lufttemperatur in zwei Meter Höhe, die über den gesamten Planeten und jeweils ein Jahr gemittelt wird. Projektionen über die künftige Erwärmung bei einer bestimmten angenommenen Menge zusätzlicher Treibhausgase sind jeweils statistische Aussagen.

Meist sind sie so zu lesen, dass bei einem gegebenen Szenario für die Entwicklung der Emissionen die globale Mitteltemperatur mit einer Wahrscheinlichkeit von 66 oder auch 75 Prozent den jeweils genannten Wert erreichen wird.

Berlin und Köln als Küstenstädte

Das heißt, die Menschheit kann auch etwas Glück haben, dann geht es "glimpflicher" ab und die Temperatur legt in den nächsten 80 Jahren ´"nur" auf 2,6 Grad Celsius zu. Oder es kann auch noch deutlich schlimmer kommen. Allerdings wird auch eine globale Erwärmung von 2,6 Grad Celsius auf jeden Fall reichen, im Verlauf mehrerer Jahrtausende Grönland vollständig und die Antarktis zum größeren Teil abzuschmelzen.

Damit würden Berlin und Köln irgendwann im nächsten Jahrtausend zu Küstenstädten und deutsche Klimaflüchtlinge müssten in China oder Australien Schutz suchen. Ein Teil der Paläoklimatologen, also der Wissenschaftler, die sich mit dem Klima längst vergangener Zeiten beschäftigen, geht außerdem davon aus, dass größere Teile der Polaren Eisschilde auch schon bei einem plus von zwei Grad Celsius gefährdet sind.

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