Treibhausgase: Wachstum gestoppt, aber Rückgang zu langsam

"Our Generation, Our Choice" - Proteste gegen Exxon, Washington, 2015. Foto: Johnny Silvercloud/ CC BY-SA 2.0

Ostasien bewegt sich, die Märkte auch, aber alles, wie in Europa, immer noch viel zu langsam

Erleben wir gerade den Anfang des Ende des fossilen Zeitalters? Nachdem China im September erstmalig angekündigt hatte, bis 2060 die Treibhausgasemissionen einstellen zu wollen und Japan dieselbe Ansage für 2050 machte, hat nun auch die dritte ostasiatische Wirtschaftsnation nachgezogen.

Südkorea, bisher nicht gerade ein Musterknabe in Sachen Klimaschutz und in früheren Klimaschutzverträgen als einstiges Schwellenland von Auflagen ausgenommen, will ebenfalls 2050 klimaneutral werden. Das meldet die Financial Times.

Bis 2030 solle der Anteil der erneuerbaren Energieträger an der Stromproduktion von derzeit fünf auf 20 Prozent gesteigert werden, hatte Südkoreas Präsident Moon Jae-in verkündet. Das Versprechen wurde mit einem historischen Konjunkturprogramm verbunden, das Südkoreas Wirtschaft in der Corona-Krise stützen soll.

Zwar ist weder das angekündigte Wachstum von Sonne, Wind & Co. schnell genug, noch reicht das 2050er Ziel, um die Vorgaben der Pariser Klimaübereinkunft zu erreichen, die globale Erwärmung deutlich unter zwei und nach Möglichkeit auf nicht mehr als 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu beschränken - ebenso wenig übrigens, wie das gleichlautende deutsche Ziel.

Aber zumindest setzen die Ankündigungen ein Zeichen, dass sich in der internationalen Klimadiplomatie etwas bewegt. Corona und die Marktkräfte werden vermutlich ein wenig nachhelfen, doch wie zuletzt die Berechnungen des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gezeigt haben ("Anspruchsvoll, aber noch möglich"), wird der notwendige schnelle Übergang nicht ohne planvolle staatliche Vorgaben zu schaffen sein.

Ausblicke

Wie dem auch sei, es mehren sich am Markt die Anzeichen, dass die fossilen Brennstoffe tatsächlich am Ende ihres goldenen Zeitalters angekommen sind. Davon zeugt der Niedergang der deutschen Autoindustrie genauso wie die Tatsache, dass Exxon Mobil - lange der Inbegriff des US-Kapitalismus und der Allmacht der Öl-Ökonomie - Ende August aus dem Dow-Jones-Index der wichtigen Börsenwerte an der New Yorker Börse geflogen ist und Verluste einfährt.

BNEF, das Analyse- und Beratungsunternehmen der Nachrichtenagentur Bloomberg, geht in seinem neuesten Ausblick davon aus, dass die Treibhausgasemissionen 2019 ihren historischen Höhepunkt erreicht haben.

2020 würden krisenbedingt vermutlich rund zehn Prozent weniger Kohlendioxid und andere das Klima verändernde Gase emittiert. Zwar zeigen die Modelle der Energieökonomen, dass die Emissionen mit der wirtschaftlichen Erholung wieder etwas ansteigen, doch werden sie wohl nicht mehr das 2019er Niveau erreichen.

Das liegt an dem massiven Ausbau von Wind- und Solarenergie, den die Bloomberg-Leute erwarten. Gemeinsam würden sie zur Mitte des Jahrhunderts 56 Prozent des Weltstrombedarfs abdecken, Kohle hingenen nur noch 12 Prozent.

Außerdem, so die Erwartung der Ökonomen, werde der Verkehr zunehmend elektrifiziert, der Ölbedarf daher 2035 seinen Höhepunkt erreichen. Die Internationale Energie Agentur geht, wie berichtet, davon aus, dass dieser Höhepunkt sogar schon in den 2020er erreicht wird.

Auch der britische Ölkonzern BP geht in seinem Mitte September veröffentlichten Energy Outlook davon aus, dass die Rolle der elektrischen Energie deutlich zunehmen, die Nachfrage an fossilen Brennstoffen zurückgehen und die erneuerbaren Energieträger an Bedeutung zulegen.

Der Markt richtet es nicht

Doch das Tempo, mit dem dieser Wandel vor sich geht, ist zu langsam. Die keineswegs sozialistischer Ideen verdächtige Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg kommt zu dem Schluss, dass wir trotz Corona-Krise und Niedergang von Öl und Kohle in den nächsten beiden Jahrzehnten noch auf eine Welt zusteuern, die am Ende des Jahrhunderts um 3,3 Grad Celsius wärmer als zu vorindustriellen Zeiten sein wird.

Der Verlust großer Eismassen an den Polen und der langfristige Anstieg des mittleren Meeresspiegels um weit über ein Dutzend Meter mit allen Folgen für Städte, Staaten, Welternährung und Weltfrieden wären sicher.

Bei BP sieht man das ganz ähnlich und entsprechend heißt es dort:

"Die Welt ist nicht auf einem nachhaltigen Weg. Ein schneller und anhaltender Fall der Kohlenstoffemissionen erfordert eine Reihe politischer Maßnahmen, bei denen ein deutlicher Anstieg des Kohlenstoffpreises (des Preises für CO2-Emissionen) obenan stehen sollte. Verzögerung dieser Maßnahmen könnte zu erheblichen ökonomischen Kosten und Verwerfungen führen."
BP Energy Outlook 2020