Tripple-Dip in Japan?

Auch Japan fällt nach einer kurzen Wachstumsphase wieder zurück in die Rezession

Bisher hatte die viertgrößte Ökonomie weltweit noch damit gerechnet, im laufenden Fiskaljahr trotz Tsunami und Mehrfach-Super-GAU ein schwaches Wachstum generieren zu können. Doch auch Japan wird bis zum Ende des Haushaltsjahrs im März wohl erneut schrumpfen. Davon geht jedenfalls die Notenbank in Tokio aus. Sie erwartet nun, dass die Wirtschaftsleistung des Landes um insgesamt 0,4% zurückgeht. Im Herbst hatte die Zentralbank noch ein Plus von 0,3% prognostiziert.

Damit ist mit Europa also nun auch Japan wieder auf dem Weg zurück in die Rezession. Im Fall Japans kann dabei sogar längst nicht mehr von dem vorhergesagten Double-Dip gesprochen werden. Denn Japan war sogar schon vor den verheerenden Folgen des verheerenden Tsunamis und der Atomkatastrophe im März zurück in die Rezession gerutscht. Die Arbeiten zur Bewältigung der Krise dürften sogar dazu beigetragen haben, dass zwischenzeitlich wieder etwas Wachstum verzeichnet worden ist. Jedenfalls hat sich die Tatsache, dass nach und nach fast alle Atomkraftwerke abgeschaltet werden, nicht sehr negativ auf die Wirtschaftsleistung ausgewirkt.

Die japanische Notenbank hofft, dass im Fiskaljahr 2012/13, das am 1. April beginnt, die Wirtschaft des Landes wieder auf den Wachstumspfad zurückkehrt, obwohl dann alle Atomkraftwerke abgeschaltet sein werden. Trotz allem wird die Prognose für das kommende Jahr von 2,2 auf 2% gesenkt, was angesichts der weltwirtschaftlichen Entwicklung sehr optimistisch erscheint. Dazu wird die Binnennachfrage in Japan belastet werden, weil nun auch die japanische Regierung über Steuererhöhungen das Haushaltsdefizit einschränken will. Ministerpräsident Yoshihiko Noda hat angekündigt, an der geplanten Mehrwertsteuer- und Sozialversicherungsreform festhalten zu wollen. So soll der sehr niedrige Mehrwertsteuersatz von 5% bis 2015 verdoppelt werden.

Gespannt darf man sein, wie das Haushaltsdefizit im laufenden Fiskaljahr angesichts der Sonderausgaben für die Umwelt- und Atomkatastrophe ausfallen wird. Schon vor der Katastrophe ging man davon aus, dass Japans Staatsverschuldung mit fast 230% der Wirtschaftsleistung Ende 2011 sogar den Pleitestaat Griechenland noch deutlich in den Schatten stellen wird. Erst kürzlich hatte der Internationale Währungsfonds vor der ausufernden Verschuldung Japans gewarnt. Noch erhält das Land günstig Kredite, die es auch in großem Umfang in Anspruch nimmt.

Doch auch in Japan wächst die Angst davor, dass die Zinsen steigen könnten. Dann wäre das Land sehr schnell pleite. Schon jetzt wird im Haushalt fast ein Viertel der gesamten Ausgaben für den Schuldendienst veranschlagt. Die Regierung will deshalb die Ausgaben einfrieren und die Neuverschuldung 2012 auf etwa 430 Milliarden Euro (44,3 Billionen Yen) begrenzen. Das ist die Summe, die schon im vorangegangen Fiskaljahr an neuen Schulden aufgenommen werden musste. Es ist dramatisch, dass Tokio fast die Hälfte aller Staatsausgaben über Schulden finanzieren muss, auch wenn die Steuereinnahmen 2012 steigen.

Belastend für die wirtschaftliche Erholung ist weiterhin ein starker Yen, der die Exporte verteuert. Auch Versuche mit dem Dampfhammer, den Wert der japanischen Währung nachhaltig zu senken, waren nicht erfolgreich. Nun hofft Nippon aber darauf, dass durch den direkten Handel über lokale Währungen mit China die wirtschaftlichen Beziehungen mit dem großen, schnell wachsenden Nachbarn deutlich ausgeweitet werden können. Er wird billiger, wenn direkt in Renminbi und Yen und nicht mehr über den Dollar abgerechnet wird.

Man darf gespannt sein, ob es der EU gelingt, auch Japan in das Ölembargo gegen den Iran einzubinden. Ein EU-Diplomat erklärte in Brüssel, man bemühe sich derzeit darum, neben Japan auch Südkorea zum Verzicht auf iranisches Öl zu bewegen. Das könnte Japan teuer zu stehen kommen, das dann auf 20% seiner Ölimporte verzichten müsste. Darauf ist das Land derzeit ganz besonders stark angewiesen, weil der Ausbau der erneuerbaren Energien noch in den Kinderschuhen steckt.

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