Tropensturm: Schwere Verwüstungen im südlichen Afrika

Idai am 15. März. Bild: Nasa

Erst allmählich nimmt die Weltöffentlichkeit die schweren Verwüstungen wahr, die der tropische Wirbelsturm "Idai" angerichtet hat

Erst nach und nach enthüllt sich das volle Ausmaß der Verwüstungen, die letzte Woche Tropensturm "Idai" in Mosambik sowie im benachbarten Simbabwe und in Malawi angerichtet hat. Die Süddeutsche Zeitung berichtet von zerstörten Straßen, die die Hilfe für die Opfer schwierig mache. Es habe frühzeitige Warnungen und auch Vorsorgemaßnahmen gegeben, aber das Ausmaß der Zerstörungen sei von den vor Ort vertretenen Hilfsorganisationen nicht vorhergesehen worden.

Die Plattform All Africa zitiert den mosambikanischen Präsidenten Filipe Nyusi, der von über 1000 Toten in seinem Land spricht. Auch in Malawi hat es 56 Todesopfer gegeben. Während sich dort und in Simbabwe, wo 31 Tote zu beklagen sind, die Wassermassen inzwischen zurückziehen, ist die Situation in Mosambik weiter desaströs. Es fehlt unter anderem an Suchteams, schreibt die Süddeutsche im eingangs zitierten Beitrag, die zu den Betroffenen vordringen können. Offensichtlich ist in den geschädigten Regionen vielfach die Strom- und Wasserversorgung zusammengebrochen.

Auch die soziale Infrastruktur wie Schulen und Gesundheitsstationen wurde stark geschädigt. Die Hilfsorganisation medico international schreibt in einer Presseerklärung über Simbabwe: "Die massive Zerstörung der Wasser- und Sanitärinfrastruktur verschärft die Lage für die armen Menschen in den betroffenen Gemeinden und macht sie stark verwundbar." Der Wirbelsturm habe die seit längerem bestehenden Missstände im simbabwischen Gesundheitssystem offengelegt.

"Wir hoffen, dass die internationalen Gesundheitsorganisationen und die Regierung von Simbabwe nicht nur mit Notfallmaßnahmen auf den Zyklon reagieren, sondern die Basisgesundheitsversorgung insgesamt verbessern."
Itai Rusike, Geschäftsführer der medico-Partnerorganisation Community Working Group on Health

Nötig seien unter anderem Mittel wie Moskitonetze und Sprühmittel um der Ausbreitung von Malaria vorzubeugen. Diese wird von Mücken übertragen, die sich bei der großen Feuchtigkeit in den entstandenen Pfützen und Seen stark vermehren.

Das UN-Hochkomissariat für Flüchtlinge UNHCR ruft wie medico zu Spenden auf. Im Falle des UNHCRs sind sie für ein Flüchtlingslager in Simbabwe gedacht, in dem 19.000 meist aus Mosambik und der demokratischen Republik Kongo stammende Menschen leben. Dort seien von dem Sturm Zelte zerstört worden, die nun ersetzt werden müssten. Außerdem müsse die Versorgung mit sauberem Wasser wiederhergestellt werden.

Der Sturm war, wie eine Karte des französischen Wetterdienstes auf Réunion zeigt, vor der nördlichen Küste Mosambiks entstanden, dann zunächst ins Land bis nach Malawi gezogen, wo er einen Haken schlug und zurück aufs Meer, auf die Straße von Mosambik wanderte. Dort, auf der Meeresenge zwischen dem Kontinent und Madagaskar, intensivierte er sich, zog nach Südwesten um schließlich am Punkt seiner maximalen Intensität bei der Hafenstadt Beira erneut auf Land zu treffen.

Zu starken Winden und extremen Niederschlag kam hinzu, dass die Küste um Beira flach und niedrig ist, so dass die mit der Zyklone einhergehende Sturmflut besondere Zerstörungskraft entfalten konnte. Die Weltmeteorologieorganisation WMO schrieb letzte Woche in einer Mitteilung von zweieinhalb Meter hohen Wellen, die auf das Land getroffen seien. Und das ausgerechnet auf dem Höhepunkt des Hochwassers.

Nach Angaben von Al Jazeera beträgt der Tidenhub in der trichterförmigen Flussmündung, an der die 500.000-Einwochner-Stadt liegt, bis zu sieben Meter und bei Eintreffen des Sturms immerhin fünf Meter. Die französischen Meteorologen sprechen in dem erwähnten WMO-Bulletin von einem Worst-case-Szenario, der das Zusammentreffen der Sturmflut mit dem Gezeiten bedingten Hochwasser darstelle.

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